Mecklenburgische Rätsel-Orgel
Hallo Schwarmwissen,
vielleicht geht hier mal wieder was, auch wenn Baden-Württemberg vermutlich nicht betroffen ist ;-)
Gesucht werden nähere Informationen über ein im Depot des Kulturhistorischen Museums Rostock eingelagertes Instrument, von dem es immerhin ein Schwester-Instrument gibt, bei dem aber auch nicht alles klar ist, was die Herkunft oder zumindest die Herkunft des Entwurfs angeht. Vielleicht kennt man ein Vorbild im Ausland oder... Die Anfrage kam an mich auch deshalb, weil nach einer sinnvollen verwendung dieser Reste gefragt wurde. Eine Rekonstruktion/Restaurierung würde allerdings ein vermutlich wenig interessantes und praxistaugliches Instrument ergeben... wie auch immer, zunächst Bilder vom eingelagerten Stück:
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Hier die Fotos des Schwesterinstruments:
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Der Mecklenburger OSV Friedrich Drese gibt als bisherigen Kenntnisstand dies wieder:
Rostock, Kulturhistorisches Museum
NN, 19. Jahrhundert, I/-/2
Baugeschichte: Der Orgelbauer ist nicht bekannt.
Orgelbauer Julius Albert Gustav Ratzlaff (Rostock) verkaufte die Orgel 1918 dem Stadtmuseum Rostock. Ratzlaff hatte sie von einem „Landpastor“ gekauft, Ort und Jahr sind nicht überliefert.
Auffällig ist die äußere Baugleichheit zur Orgel in Groß Pankow, die der Rostocker Orgelbauer Julius Schwarz 1892 dort als älteres Instrument aufgestellt hatte und bei dem Ratzlaff von etwa 1892 bis 1900 als Geselle tätig war. War diese Orgel über Schwarz zum „Landpastor“ gelangt?
1918 war die Orgel spielbar, nach 1945 wird sie unspielbar.
Die Orgel befindet sich im Museumsdepot. Es existieren: Gehäuse, Magazinbalg mit Schöpfer, Windlade, Trakturteile, Pfeifenwerk – es besteht aus einer gedeckten und einer offenen Holzpfeifenreihe (beschädigt und vermutlich unvollständig).
Manual / C-f3, mechanische Schleiflade
Gedackt 8‘ Holz
Flöte 4‘ Holz offen
Die äußerlich baugleiche Orgel in Groß Pankow, evangelische Dorfkirche
NN, 19. Jh. / Julius Schwarz 1892, I/-/5
Beschreibung:
Das Positiv ist vorderspielig, zu beiden Seiten der Manualklaviatur die Registerzüge. Es gibt keine Prospektpfeifen, die Front ist durch zwei Flügeltüren verschließbar. Der untere Teil des Gehäusekorpus besitzt deutlich Stilelemente aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das gesamte Gehäuse ist jetzt weiß gestrichen. Im Untergehäuse der Balg, der vom Spieler selbst betätigt werden kann. Eine Verlängerung für Kalkantenbetätigung führt an die rechte Gehäuseseite.
Wie original die Innenteile zum Gehäuse gehören, ist nicht zu ermitteln. Die Tonbuchstaben des hinterständischen Gedackt sind identisch mit den Buchstaben in Rostock.
Baugeschichte: Das Orgelpositiv wurde durch Julius Schwarz 1892 in Groß Pankow aufgestellt. Die Klaviatur kann von ihm eingebaut worden sein, ebenso wie Teile des Pfeifenwerkes. Manubrien in Art von J. Schwarz (z. B. Below). Hat Schwarz die Anzahl der Register vergrößert?
1996 Reparatur und Einbau des Registers Octave 2‘ durch Wolfgang Nußbücker (Plau).
Aufstellung der Register von der Rückseite aus:
Manual / C-c3, mechanische Schleiflade
Liebl. Gedackt 8’ Holz, C-h ohne Schleife, Registerzug für Diskant ab c1
Stempel spätes 19. Jh.
Principal 8’ ab c1, Stempel Chwatal
Gedact 4’ Holz,
C-h Stempel wie Gedact 8’, ab c1 Holz offen, ältere Stempel
Octave 2’ ab c1, neu
Octave 4’ C-H Stockbohrungen verklebt; ab c0 Metallpfeifen wie Pr. 8‘
Innerhalb Mecklenburgs sind beide Positive bzw. Kabinettorgeln solitär.
Julius Albert Gustav Ratzlaff
* 21.6.1850 Groß Soltikow bei Schlowe (Pommern)
+ 10.9.1939 Rostock
Traubuch Parchim, Marien
16. Juli 1889
Ratzlaff, Orgelbauer in Schwerin (Vater: Büdner in Gr. Soltikow)
Frieda Johanna Marie Milhan, geb. Parchim 27.8.1867 (Vater: Zimmergeselle in Amerika)
Volkszählung Schwerin, 1.12.1890
Ratzlaff, Tischler, Geselle
Taufbuch Schwerin, Dom:
Gustav Carl Otto, geboren 8.5.1890
Vater: Julius Ratzlaff, Orgelbauer hier
Taufbuch Schwerin, Dom:
Carl Willi, geboren 27.8.1891
Taufbuch Rostock, Jakobi
Julius Amandus Friedrich, geboren 13. Mai 1893, + 10.12.1893
Paten: Orgelbaumeister Julius Schwarz
Julie Pingel
Amanda Bastian
Sterbebuch Rostock, Petri 1939:
10.9.1939 Julius Albert Gustav Ratzlaff
früher Orgelbauergehilfe a. Rostock
Wohnorte:
1895-1900, Louisenstr.9 (Orgelbaugehülfe bei Julius Schwarz)
1901-1903, Kurze Str. 6 (Orgelbauer)
1904/1905, Karlstr.8
1906 Patriotischer Weg 43
1907-1915, Fischerstraße 23
1916-1935, Beginenberg 33 (letzte Erwähnung im Rostocker Adressbuch)
Beschäftigung (Lehre?) bei Dinse (Berlin), Ladegast (Weißenfels)
Beschäftigung bei Friedrich Friese III (Schwerin), Julius Schwarz (Rostock) ab etwa 1892
(Siehe Jaehn, Friese Bd. I S. 64ff)
Also, Experten vor!
gesamter Thread:
- Mecklenburgische Rätsel-Orgel -
Karl-Bernhardin Kropf,
01.03.2025, 17:10
- Mecklenburgische Rätsel-Orgel - MCVL, 01.03.2025, 23:11