Paul Damjakob

ThomasMP @, Samstag, 15. Februar 2025, 14:51 (vor 574 Tagen)

Mittlerweile bin ich auch schon 65 Jahre und kenne und bewundere Paul Damjakob seit ich mich ab den 1970ger mit Orgeln befasse. Seine Interpretation von „Wachet auf“ habe ich mir unzählige Male angehört und genossen, die LPs und CDs gesammelt. Als ich 2010 nach Schleswig-Holstein umgezogen bin, ist meine komplette CD-Sammlung bei einem Unfall des Umzugswagens vernichtet worden bzw. abhanden gekommen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich vor 2 Wochen bei ebay aus einem Antiquariat die CD „Ad Maiorem Dei“ von Paul ersteigern konnte. Sie enthält meine Lieblinsstücke: u.a. „An Mozart“, „Homage à César Franck“ und die unvergessene „Libori-Phantasie“. Alles Improvisationen von Paul Damjakob an der Würzburger Domorgeln aus den frühen 1970ger Jahren. Ich bin der Meinung, diese Impros stehen in keinster Weise hinter den Sachen der beiden französichen Pierres, besonders die Homage bringt französisches Flair par Excellence, und das auf einer deutschen Neobarockorgel. Chapaeau!!

Paul Damjakob

Orlos @, Samstag, 15. Februar 2025, 15:19 (vor 574 Tagen) @ ThomasMP

Als wir Jugendliche waren, genossen diese Aufnahmen Kultstatus.

Paul Damjakob

Max Reger @, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Sonntag, 16. Februar 2025, 01:48 (vor 573 Tagen) @ Orlos

Als wir Jugendliche waren, genossen diese Aufnahmen Kultstatus.

Ohne zu übertreiben kann ich für mich (Jahrgang 1960) bezeugen, dass die 5.Widor, eingespielt im Würzburger Dom von Hans Musch, eine Initialzündung in meinem, diesem Instrument gewidmeten Leben gewesen ist...

Paul Damjakob

kjz1, Sonntag, 16. Februar 2025, 19:47 (vor 572 Tagen) @ Max Reger

Ohne zu übertreiben kann ich für mich (Jahrgang 1960) bezeugen, dass die 5.Widor, eingespielt im Würzburger Dom von Hans Musch, eine Initialzündung in meinem, diesem Instrument gewidmeten Leben gewesen ist...

Ditto.

Paul Damjakob

untersatz32, Montag, 17. Februar 2025, 19:46 (vor 571 Tagen) @ kjz1

Dito. Und auch die Impro CDs von Damjakob.

Paul Damjakob

fluteceleste @, Samstag, 15. Februar 2025, 20:38 (vor 573 Tagen) @ ThomasMP

Vermutlich ist es "Eulen nach Athen", dennoch hier der Hinweis auf den YouTube-Kanal

Paul Damjakob

FranzS., Sonntag, 16. Februar 2025, 21:42 (vor 572 Tagen) @ ThomasMP

Damjakob hat schon Drive in seinen Improvisationen. Auch simple Kadenzstücke haben einen unverwechselbaren Sinn für Humor. Lehrndorfer konnte da nicht mithalten und Stilist Stoiber kann das auch nicht, meiner Meinung nach. Die Würzburger Domorgel hat wahrscheinlich auch einen Anteil daran.
Was Stefan Schmidt darauf so macht ist auch fantastisch!

Paul Damjakob

jori @, Montag, 17. Februar 2025, 00:45 (vor 572 Tagen) @ FranzS.

Wie sind die Improvisationen von Ruben Sturm einzuschätzen?

Paul Damjakob

perotin, Montag, 17. Februar 2025, 02:04 (vor 572 Tagen) @ jori

Wie sind die Improvisationen von Ruben Sturm einzuschätzen?

Mir scheint er einer der Besten zu sein, die es aktuell in Deutschland gibt. Aber ich kann/will nicht behaupten, hier einen umfassenden Überblick zu haben.

Paul Damjakob

Zartbass @, Montag, 17. Februar 2025, 12:14 (vor 572 Tagen) @ jori

Seine Improvisationen in der Liturgie sind m.E. zur Zeit absolute Spitze im Vergleich der Deutschen Domorganisten. Über die Live-Übertragungen von mk-online.de, die auch als Aufzeichnung verfügbar sind, kann man sich ein gutes Bild davon machen.
Nichts davon ist belanglos oder eine einfache Kadenzierung. Immer steht es im Kontext zum Inhalt und der musikalischen Grundlage.

Paul Damjakob

jori @, Montag, 17. Februar 2025, 12:33 (vor 572 Tagen) @ Zartbass

Zitat:
Über die Live-Übertragungen von mk-online.de, die auch als Aufzeichnung verfügbar sind, kann man sich ein gutes Bild davon machen.

Ich schaue mir die Übertragungen des Domes München regelmäßig an. Es ist schon grandios, wie Ruben Sturm immer wieder anders improvisiert.

Paul Damjakob

Zartbass @, Dienstag, 18. Februar 2025, 14:11 (vor 571 Tagen) @ jori

Zitat:
Über die Live-Übertragungen von mk-online.de, die auch als Aufzeichnung verfügbar sind, kann man sich ein gutes Bild davon machen.

Ich schaue mir die Übertragungen des Domes München regelmäßig an. Es ist schon grandios, wie Ruben Sturm immer wieder anders improvisiert.

Vor allem die Wochentagsgottesdienste sind absolut hörenswert, da hier in die Regel nur die Orgel eingesetzt wird. Daraus habe ich mehr Anregungen geholt als aus jedem Workshop.

Ruben Sturm; war Paul Damjakob

ThomasMP @, Mittwoch, 19. Februar 2025, 18:58 (vor 569 Tagen) @ Zartbass

Auf deine Empfehlung hin habe ich mir heute die 18.00 Uhr-Messe angeschaut. Hat sich orgelmusikalisch wirklich gelohnt. Es kam die große Orgel zu Einsatz und Herr Sturm hat die Musik wirklich zelebriert. Man hörte, es kam aus dem Herzen und ging zu Herz. Beim Marienlob zum Schluß hatte ich für einen kurzen Moment den Eindruck, Wolfgang Seifen sitze an der Orgel

Ruben Sturm - München Mariendom

Residual, Dienstag, 11. März 2025, 03:52 (vor 550 Tagen) @ ThomasMP

Letzten Sonntag Orgelnachspiel: Bach, Orgelbüchlein "O Mensch bewein". Mein damaliger Orgellehrer hätte Tempo und Registrierung als zu pompös kitschig kritisiert, aber Prof. Sturm bedient halt seine kath. Domgemeinde.

Ruben Sturm - München Mariendom

link1907 @, Dienstag, 11. März 2025, 14:47 (vor 550 Tagen) @ Residual

Letzten Sonntag Orgelnachspiel: Bach, Orgelbüchlein "O Mensch bewein". Mein damaliger Orgellehrer hätte Tempo und Registrierung als zu pompös kitschig kritisiert, aber Prof. Sturm bedient halt seine kath. Domgemeinde.<

Von Felix Hell gibt es eine Bearbeitung "in Memoriam Virgil Fox", eingespielt
auf der CD "ORGELGIGANTEN", Great Schantz Organ, Cathedral Basilica of the Sacred Heart
Newark, New Jersey
Ist im Stil von "Komm süßer Tod" von Virgil Fox.

Ruben Sturm - München Mariendom

untersatz32, Dienstag, 11. März 2025, 16:00 (vor 550 Tagen) @ link1907

Auch Daniel Roth spielt es auf seiner Bach CD aus St. Sulpice Paris (bei Motette Ursina) in einem Meer von gekoppelten 8'-Grundstimmen - grosses Kino, ganz herrlich!

Ruben Sturm - München Mariendom

Residual, Dienstag, 11. März 2025, 18:18 (vor 549 Tagen) @ untersatz32

Kitsch as Kitsch can? - Also her mit spätromantischen Bach-Verbiegungen von Leopold Stokowski und anderen Bach-(Mis-)Interpreten. Und für die Passionszeit die Matthäus-Passion als Massenaufführung aus Amsterdam 1939 unter Willem Mengelberg. https://www.youtube.com/watch?v=zayss_RBkj8
Wenn man damit endlich wegkommt von den nervigen historisch informierten Spar-Ensembles.

link korrekt - Ruben Sturm - München Mariendom

elias.orgel, Dienstag, 11. März 2025, 18:56 (vor 549 Tagen) @ Residual

Kitsch as Kitsch can? - Also her mit spätromantischen Bach-Verbiegungen von Leopold Stokowski und anderen Bach-(Mis-)Interpreten. Und für die Passionszeit die Matthäus-Passion als Massenaufführung aus Amsterdam 1939 unter Willem Mengelberg.
Wenn man damit endlich wegkommt von den nervigen historisch informierten Spar-Ensembles.

.

meinst Du das?

https://youtu.be/zayss_RBkj8?si=_rBuW2CG7SqafYoW

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Ruben Sturm - München Mariendom

untersatz32, Dienstag, 11. März 2025, 23:13 (vor 549 Tagen) @ Residual
bearbeitet von untersatz32, Dienstag, 11. März 2025, 23:26

Nun ja, wenn man sowas als „Kitsch“ abtun will, Bitteschön.

Ich muss nicht über jedes arrogante Stöckchen springen, das man mir bietet.

Und — sorry - eine Interpretation eines Weltklasse-Interpreten an einer Weltklasse-Orgel salopp als „Kitsch“ herabzuwürdigen, sagt mehr über den Urteilenden aus, als über den Interpreten der Musik.

Ich denke, Daniel Roth hat in seinem Leben mehr für die Musik, die Orgel und für Bach getan, als sie persönlich es jemals auch nur erträumen könnten. Da kann man getrost auch mal auf irgendwelche vorlauten Kritisierereien verzichten, die allerhöchstens das Eine beweisen: seine eigene Engstirnigkeit und Kleingeistigkeit.

Ich finde das grosse Musik, im Geiste von Bach, von Albert Schweitzer, von Cavaille-Coll, von Daniel Roth.
Diese Männer haben weitaus mehr bewegt, als irgendwelche engstirnigen Knäckebrot-Geister.

Thema für mich durch, ich übe lieber stattdessen.

Mahlzeit.

Ruben Sturm - München Mariendom

VoxCoelestis, Mittwoch, 12. März 2025, 00:01 (vor 549 Tagen) @ untersatz32

Das Grandiose ist ja auch, dass Bachs Musik unterschiedliche „Interpretationsschulen“ zulässt, ohne dass die Musik dadurch zwangsweise leidet. Als jüngstes Beispiel denke ich auch an Latrys CD-Aufnahme aus NDP mit Bach im symphonisch-romantischen Gewand.
Ich bin aufgewachsen mit Lehrern aus der Schule von Rilling & Co. - eine heute für mich seltsame Mischform aus akademischer Vermittlung der Musik mit ihrer Durchhörbarkeit, aber aufführungspraktisch nicht konsequent weiterverfolgt, sondern in einer gewissen Tradition fortgeführt. Auch dies hatte für seine Zeit seine Berechtigung, wenn es auch von heute aus gesehen eher wie eine Episode erscheint.
Bach in deutsch- oder auch französisch-romantischer Tradition auf dafür geeigneten Instrumenten kann doch aber auch heute durchaus noch andere interessante und ungehörte/ungewohnte Perspektiven eröffnen. Und die eine muss die andere nicht ausschließen.

Ruben Sturm - München Mariendom

untersatz32, Mittwoch, 12. März 2025, 00:21 (vor 549 Tagen) @ VoxCoelestis

Danke dafür. Ich hab ebenso gerne Harald Vogel an einer Schnitger-Orgel mit Sesquialter, Ton Koopman in Freiberg mit Nazard, Virgil Fox in Wanamaker mit allen Strings, aber auch Hamm in Weingarten mit Vox Humana oder Ekkehard Schneck an einer Schukin mit Principal. Oder eben Roth an einer Cavaille-Coll mit allen Fonds 8‘.
Das gibt je nach Situation einen schottischen Highland Whisky, einen vollen Chateau Pomerol, einen scharfen Ingwer Shot oder ein sprudelndes Mineralwasser. Nichts muss schlecht sein. Alles kann je nach Situation oder momentaner Stimmung schön sein. Sagt viel über Bach aus. Da muss man nichts herabwürdigen.

Ruben Sturm - München Mariendom

Orlos @, Mittwoch, 12. März 2025, 00:56 (vor 549 Tagen) @ untersatz32

Mein Cembalolehrer sagte dazu: "Bach siegt immer!" Egal, wie man ihn spielt, die Musik bleibt immer genial. Bei anderen Komponisten klappt das viel weniger, deren Musik ist stark vom gewähltem Instrument und von einer wohlwollenden Interpretation abhängig. Bach kriegt man nicht kaputt. (Übe gerade Bach an einer Orgel von 1977 und bin immer wieder erstaunt, was man noch für tolle Wendungen in den Noten entdeckt.)

Ruben Sturm - München Mariendom

link1907 @, Mittwoch, 12. März 2025, 10:15 (vor 549 Tagen) @ untersatz32

Danke dafür. Ich hab ebenso gerne Harald Vogel an einer Schnitger-Orgel mit Sesquialter, Ton Koopman in Freiberg mit Nazard, Virgil Fox in Wanamaker mit allen Strings, aber auch Hamm in Weingarten mit Vox Humana oder Ekkehard Schneck an einer Schukin mit Principal. Oder eben Roth an einer Cavaille-Coll mit allen Fonds 8‘.
Das gibt je nach Situation einen schottischen Highland Whisky, einen vollen Chateau Pomerol, einen scharfen Ingwer Shot oder ein sprudelndes Mineralwasser. Nichts muss schlecht sein. Alles kann je nach Situation oder momentaner Stimmung schön sein. Sagt viel über Bach aus. Da muss man nichts herabwürdigen.<

Ein "romantischer Bach" ist mir allemal lieber als irgendein Staccato-Gehacke, um dann auch noch zu glauben das wäre "HIP".

Ruben Sturm - München Mariendom

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 12. März 2025, 12:34 (vor 549 Tagen) @ link1907

Ein "romantischer Bach" ist mir allemal lieber als irgendein Staccato-Gehacke, um dann auch noch zu glauben das wäre "HIP".

Hier liegt spürbar eine Verletzung vor, ausgeführt durch eine oder mehrere Personen, die mit dem Mittel der Artikulation nicht umgehen konnte(n). Interessant wäre jetzt, ob diese Person(en) sich selbst aber HIP-spielend empfanden, oder sie sich nur auf einen HIP-Lehrer berufen haben.
Letzteres war vor 20, 30 Jahren besonders oft zu finden:
Meisterkurs besucht, die Sache aber nicht richtig verstanden oder doch nur passiv teilgenommen ohne Feedback des Meisters, dann aber in der Heimat mutig und selbstbewusst das Missverständnis in Orgelspiel gegossen, eventuell geäußerte Hörerkritik mit Verweis auf den Meister abgebügelt.

Ich vertrete aber die Überzeugung, dass artijuliertes Spiel definitiv HIP ist, und für Bach die Dupré-"Artikulation" (das nahezu ununterbrochene Legato, gewissermaßen eine Vokalise anstelle von textiertem Gesang) eine Katastrophe darstellt, deren Wirkung nur deshalb stark gemindert wird, weil - wie von Vorrednern erneut festgestellt - Bach nahezu alles an Misshandlung aushält.

Aber vielleicht sind wir da ohnehin einer Meinung und ich habe es falsch verstanden.

Ich sehe gerade, dieser Dialog wiederholt sich!

Ruben Sturm - München Mariendom

link1907 @, Mittwoch, 12. März 2025, 15:04 (vor 549 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ein "romantischer Bach" ist mir allemal lieber als irgendein Staccato-Gehacke, um dann auch noch zu glauben das wäre "HIP".


Hier liegt spürbar eine Verletzung vor, ausgeführt durch eine oder mehrere Personen, die mit dem Mittel der Artikulation nicht umgehen konnte(n). Interessant wäre jetzt, ob diese Person(en) sich selbst aber HIP-spielend empfanden, oder sie sich nur auf einen HIP-Lehrer berufen haben.
Letzteres war vor 20, 30 Jahren besonders oft zu finden:
Meisterkurs besucht, die Sache aber nicht richtig verstanden oder doch nur passiv teilgenommen ohne Feedback des Meisters, dann aber in der Heimat mutig und selbstbewusst das Missverständnis in Orgelspiel gegossen, eventuell geäußerte Hörerkritik mit Verweis auf den Meister abgebügelt.

Ich vertrete aber die Überzeugung, dass artijuliertes Spiel definitiv HIP ist, und für Bach die Dupré-"Artikulation" (das nahezu ununterbrochene Legato, gewissermaßen eine Vokalise anstelle von textiertem Gesang) eine Katastrophe darstellt, deren Wirkung nur deshalb stark gemindert wird, weil - wie von Vorrednern erneut festgestellt - Bach nahezu alles an Misshandlung aushält.<


HIP bedeutet doch letztendlich, auf Bach bezogen, so zu spielen und zu artikulieren wie es zu Bachs Zeiten üblich war? Insofern war ja Dupre auch überzeugt das er HIP spielte, bezüglich
der Schüler, Enkelschüler etc. bis Hesse. Und dann eben Hesse, Lemmens bis Dupre.
Für mich ist, was HIP betrifft, am ehesten die "Stuttgarter Schule" mit Lohmann und Laukvik
nachvollziehbar, das sogenannte "ordentliche Fortgehen", was die Artikulation anbetrifft.
Ob man anhand der erhaltenen Quellen auch verläßlich auf Tempi schließen kann weiß ich
nicht.

Ruben Sturm - München Mariendom

VoxCoelestis, Mittwoch, 12. März 2025, 15:57 (vor 549 Tagen) @ link1907

HIP bedeutet doch letztendlich, auf Bach bezogen, so zu spielen und zu artikulieren wie es zu Bachs Zeiten üblich war? Insofern war ja Dupre auch überzeugt das er HIP spielte, bezüglich
der Schüler, Enkelschüler etc. bis Hesse. Und dann eben Hesse, Lemmens bis Dupre.

Interessante These. Ich denke da eher, dass zu Dupré das Bewusstsein dafür ein anderes war. Die "Lehrer-Schüler-Tradition" - gerade in Frankreich - nimmt ja doch einen hohen Stellenwert ein (meinem Eindruck nach auch heute immer noch einen höheren, als es hierzulande üblich ist).

Mir erschien dieses Verständnis seit jeher etwas fremd. Einerseits ist es zwar spannend, in welchen unmittelbaren Traditionen bestimmte Musikerinnen und Musiker stehen; andererseits definiert sich eine Künstlerpersönlichkeit doch auch über so viel mehr als über hochangesehene Lehrpersonen. (Und nicht selten kommen meinem Eindruck nach diejenigen zu kurz, die in jungen und jüngsten Jahren überhaupt erst die Impulse für ein Fortkommen gesetzt haben und die in den jugendlichen Jahren das Musikverständnis einer Persönlichkeit möglicherweise auch schon maßgeblich geprägt hat).

Zurück zu Dupré: ich stelle mir eher vor, dass Dupré und Zeitgenossen so musiziert und interpretiert haben, wie zur damaligen Zeit üblich und angemessen schien. Eine Rückbesinnung zu Bach mit dem Blick darauf, wie es wohl zur damaligen Zeit musiziert worden und erklungen ist, wird nach meinem Einschätzung tatsächlich erst mit dem Aufkommen der HIP-Bewegung relevant. Wenn man sich die Richter-Interpretation der Matthäuspassion anschaut, hat man es ja vielmehr mit etwas Monumentalem, Epigonenhaftem und fast Erstarrtem vor dem großen Bach zu tun als mit einem Nachspüren nach den originalen Klängen um 1700. JM2C ;)

Ruben Sturm - München Mariendom

elias.orgel, Mittwoch, 12. März 2025, 16:08 (vor 549 Tagen) @ VoxCoelestis

Berühmt wurde Landowskas Satz:
"Sie spielen Bach auf Ihre Art,
. und ich spiele ihn auf seine Art."

Ob "er" ihr wohl erschienen ist
und sie unterrichtet hat...

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Ruben Sturm - München Mariendom

link1907 @, Mittwoch, 12. März 2025, 17:14 (vor 549 Tagen) @ VoxCoelestis

Zurück zu Dupré: ich stelle mir eher vor, dass Dupré und Zeitgenossen so musiziert und interpretiert haben, wie zur damaligen Zeit üblich und angemessen schien. Eine Rückbesinnung zu Bach mit dem Blick darauf, wie es wohl zur damaligen Zeit musiziert worden und erklungen ist, wird nach meinem Einschätzung tatsächlich erst mit dem Aufkommen der HIP-Bewegung relevant. Wenn man sich die Richter-Interpretation der Matthäuspassion anschaut, hat man es ja vielmehr mit etwas Monumentalem, Epigonenhaftem und fast Erstarrtem vor dem großen Bach zu tun als mit einem Nachspüren nach den originalen Klängen um 1700. JM2C ;)<

Dupre war nachweislich bis zu seinem Lebensende davon überzeugt das Bachs Orgelspiel
über die von mir aufgeführte Linie auf ihn überkam!
Das hat natürlich mit HIP im heutigen Sinne nichts zu tun.
Zu Dupres Lebenszeiten gab es in Frankreich Organisten die völlig anders spielten als er.
Z.Bsp. Marie-Claire Alain oder Michel Chapuis.

Ruben Sturm - München Mariendom

untersatz32, Donnerstag, 13. März 2025, 20:31 (vor 547 Tagen) @ link1907

Oh ja, und ich liebe diese Aufnahmen von MCA und Chapuis, sowie die von Isoir. Ohne Scheuklappen, gute Musik.

Interessant der Vergleich der drei kompletten Gesamtaufnahmen von Bach durch MCA im Lauf der Zeit. Dabei ist die erste durchaus nicht die Uninteressanteste…

Ruben Sturm - München Mariendom

Axel, Freitag, 14. März 2025, 13:53 (vor 547 Tagen) @ link1907

Nee, die Duprétradition ist widerlegt. Unabhängig davon, wie stark sich die Interpretation im Laufe der Zeit verändert, ist kein Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen Hesse und Lemmens nachweisbar. Hesse hat sich dagegen verwahrt, sinngemäß: Wenn Herr Lemmens heute so gut ist, wie alle berichten, dann bin ich nicht daran schuld.

ewige Fragen, war: Ruben Sturm - München Mariendom

Wolfgang Gourgé @, Mittwoch, 12. März 2025, 17:27 (vor 549 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Mittwoch, 12. März 2025, 17:51

Ein "romantischer Bach" ist mir allemal lieber als irgendein Staccato-Gehacke, um dann auch noch zu glauben das wäre "HIP".


Hier liegt spürbar eine Verletzung vor, ausgeführt durch eine oder mehrere Personen, die mit dem Mittel der Artikulation nicht umgehen konnte(n). Interessant wäre jetzt, ob diese Person(en) sich selbst aber HIP-spielend empfanden, oder sie sich nur auf einen HIP-Lehrer berufen haben.
Letzteres war vor 20, 30 Jahren besonders oft zu finden:
Meisterkurs besucht, die Sache aber nicht richtig verstanden oder doch nur passiv teilgenommen ohne Feedback des Meisters, dann aber in der Heimat mutig und selbstbewusst das Missverständnis in Orgelspiel gegossen, eventuell geäußerte Hörerkritik mit Verweis auf den Meister abgebügelt.

Ich vertrete aber die Überzeugung, dass artijuliertes Spiel definitiv HIP ist, und für Bach die Dupré-"Artikulation" (das nahezu ununterbrochene Legato, gewissermaßen eine Vokalise anstelle von textiertem Gesang) eine Katastrophe darstellt, deren Wirkung nur deshalb stark gemindert wird, weil - wie von Vorrednern erneut festgestellt - Bach nahezu alles an Misshandlung aushält.

Aber vielleicht sind wir da ohnehin einer Meinung und ich habe es falsch verstanden.

Ich sehe gerade, dieser Dialog wiederholt sich!

....die Diskussion wird niemals enden, weil es jenseits der Stilfragen ja noch weitere Kategorien gibt - davon vieles zwischen (Noten-)Zeilen, kaum objektivierbar oder in Worten ausdrückbar -, das das jeweilige Gesamtbild formt. Zudem ist jede Musik, ist sie erstmal "in der Welt", in einem unaufhörlichen hermeneutischen Prozess, der ihre Wahrnehmung immer wieder neu konditioniert.

Klar liegst Du mit Deiner Aussage zu Dupré im Grunde richtig. Andererseits: die schnurgerade Stringenz, mit der er hier BWV 542 spielt, ist im Hinblick auf Instrument und Akustik durchaus stimmig - und technisch bewundernswert souverän. Schnitte wird es hier nicht geben, jeder Verspieler, sofern ihn die bescheidene Aufnahmetechnik nicht zudeckt, bleibt hörbar.

Virgil Fox hatte für die "Historiker" nicht viel übrig außer beißendem Spott. Aber seine "Nun danket alle Gott"-Transkription? Wer die nicht mag, muss unmusikalisch oder taub sein.

Karl Richter, oft diskutiert, mochte die HIP auch nicht. Aber die Passacaglia, von ihm 1980 in NDdP gespielt: eine Himmelsleiter, mit jeder Variation steigt er höher, für mich unerreicht - ich kenne keine andere Interpretation, die mich derartig "packt". An den leisen Stellen hätte man eine Stecknadel fallen gehört. Das muss man erstmal nachmachen in einer vollbesetzten Kathedrale - und das war schon der "alte", von Krankheit gezeichnete Richter, der seine beste Zeit eigentlich schon hinter sich hatte (wirklich?....) - hier aber vorführt, welche Tiefendimension sein Spiel haben konnte.

Es gibt irgendwo einen Punkt, an dem die Persönlichkeit des/der Interpreten/Interpretin, sein oder ihr Charisma und der damit verbundene starke individuelle Einschlag, die er oder sie der Musik gibt, die Stilfragen in den Hintergrund drängt, sie (mit Recht) unwichtig erscheinen lässt (so wie es bei Schauspielern ja auch die "Bühnenpräsenz" gibt, die dann vom Kostüm bis zum Bühnenbild alles Drumherum vergessen lässt). Wer käme allen Ernstes auf die Idee, bei einer solchen Punktlandung die Wahl des modernen Allround-Instruments, seine gleichstufige Temperierung, den Einsatz des Pedals oder die Nichtverwendung historischer Fingersätze zu kritisieren?

Lange Überlegung, kurzer Sinn: für mich kann man Bach historisierend wie "unhistorisierend" spielen, beides kann überzeugend oder nicht überzeugend sein, alleine in "Stilreinheit" findet man den Schlüssel nicht. Welche Version seines BWV 548 würde Bach wohl besser gefallen - diese oder diese? Fällt es schwer, das zu beantworten?

Und um zum Namensgeber dieses Threads: Ruben Sturm, mit dem ich zusammen die OSV-Werkwochen 2007/08 besucht habe, ist ebenso wie seine Frau Kirsten ein exzellenter Musiker und für die Frauenkirche genau der Richtige.

Ruben Sturm - München Mariendom

jens79, Mittwoch, 12. März 2025, 17:46 (vor 548 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von jens79, Mittwoch, 12. März 2025, 17:55

....die Diskussion wird niemals enden, weil es jenseits der Stilfragen ja noch weitere Kategorien gibt - davon vieles zwischen (Noten-)Zeilen, kaum objektivierbar oder in Worten ausdrückbar -, das das jeweilige Gesamtbild formt. Zudem ist jede Musik, ist sie erstmal "in der Welt", in einem unaufhörlichen hermeneutischen Prozess, der ihre Wahrnehmung immer wieder neu konditioniert.

Klar liegst Du mit Deiner Aussage zu Dupré im Grunde richtig. Andererseits: die schnurgerade Stringenz, mit der er hier BWV 542 spielt, ist im Hinblick auf Instrument und Akustik durchaus stimmig - und technisch bewundernswert souverän. Schnitte wird es hier nicht geben, jeder Verspieler, sofern ihn die bescheidene Aufnahmetechnik nicht zudeckt, bleibt hörbar.

Virgil Fox hatte für die "Historiker" nicht viel übrig außer beißendem Spott. Aber seine "Nun danket alle Gott"-Transkription? Wer die nicht mag, muss unmusikalisch oder taub sein.

Karl Richter, oft diskutiert, mochte die HIP auch nicht. Aber die Passacaglia, von ihm 1980 in NDdP gespielt: eine Himmelsleiter, mit jeder Variation steigt er höher, für mich unerreicht - ich kenne keine andere Interpretation, die mich derartig "packt". An den leisen Stellen hätte man eine Stecknadel fallen gehört. Das muss man erstmal nachmachen in einer vollbesetzten Kathedrale - und das war schon der "alte", von Krankheit gezeichnete Richter, der seine beste Zeit eigentlich schon hinter sich hatte (wirklich?....) - hier aber vorführt, welche Tiefendimension sein Spiel haben konnte.

Es gibt irgendwo einen Punkt, an dem die Persönlichkeit des/der Interpreten/Interpretin, sein oder ihr Charisma und der damit verbundene starke individuelle Einschlag, die er oder sie der Musik gibt, die Stilfragen in den Hintergrund drängt, sie (mit Recht) unwichtig erscheinen lässt (so wie es bei Schauspielern ja auch die "Bühnenpräsenz" gibt, die dann vom Kostüm bis zum Bühnenbild alles Drumherum vergessen lässt). Wer käme allen Ernstes auf die Idee, bei einer solchen Punktlandung die Wahl des modernen Allround-Instruments, seine gleichstufige Temperierung, den Einsatz des Pedals oder die Nichtverwendung historischer Fingersätze zu kritisieren?

Lange Überlegung, kurzer Sinn: für mich kann man Bach historisierend wie "unhistorisierend" spielen, beides kann überzeugend oder nicht überzeugend sein, alleine in "Stilreinheit" findet man den Schlüssel nicht. Welche Version seines BWV 548 würde Bach wohl besser gefallen - diese oder diese? Fällt es schwer, das zu beantworten?


So ist es.
Man muss "Diener.... nicht des Buchstabens, sondern des Geistes [sein]. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig."

Außerdem ist jede Interpretation eines Musikstückes immer ein Spiegelbild der jeweiligen Zeit. Das sieht man schon allein daran, wie sehr sich die jeweiligen HIP Aufnahmen der letzten 50 Jahre unterscheiden und in 20 oder 50 Jahren werden sie wieder anders sein, abgesehen von allen individuellen Eigenheiten der Spieler, die noch hinzukommen Anders kann es doch gar nicht sein.

ewige Fragen, war: Ruben Sturm - München Mariendom

MartinH, Donnerstag, 13. März 2025, 00:16 (vor 548 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

....die Diskussion wird niemals enden, weil es jenseits der Stilfragen ja noch weitere Kategorien gibt - davon vieles zwischen (Noten-)Zeilen, kaum objektivierbar oder in Worten ausdrückbar -, das das jeweilige Gesamtbild formt. Zudem ist jede Musik, ist sie erstmal "in der Welt", in einem unaufhörlichen hermeneutischen Prozess, der ihre Wahrnehmung immer wieder neu konditioniert.

Klar liegst Du mit Deiner Aussage zu Dupré im Grunde richtig. Andererseits: die schnurgerade Stringenz, mit der er hier BWV 542 spielt, ist im Hinblick auf Instrument und Akustik durchaus stimmig - und technisch bewundernswert souverän. Schnitte wird es hier nicht geben, jeder Verspieler, sofern ihn die bescheidene Aufnahmetechnik nicht zudeckt, bleibt hörbar.

Ich würde mir nicht zutrauen, die Akustik nach dieser Aufnahme einzuschätzen. Aber die spielte in der Zeit für Aufnahmen eh keine große Rolle. Da musste man "nah ran" und spielte fürs Mikrofon. Und auch, wenn man die fehlenden Schnitte anerkennen muss, wirklich gut finde ich das nicht. Da ist einfach zu wenig Differenzierung. Hört man auch bei dieser einfachen Aufnahme raus. Aber selbstverständlich wollte er (und seine Zeit) es so. Im Vergleich ich - immerhin auch keine Schnitte (die Probleme höre ich schon).
https://youtube.com/watch?v=6ovFpeVGi6w
Die 548 gefallen mir beide nicht so recht - im Vergleich Hans Fagius, finde ich wunderbar, alleine schon die ersten Takte:
https://youtube.com/watch?v=lfPcVOSly3o
Bach-Interpreten haben es heute ungeheuer schwer - tausend Vergleiche und wirklich alles schon mal dagewesen. Da gibt es mittlerweile wohl dankbarere "Spielfelder".

ewige Fragen, war: Ruben Sturm - München Mariendom

Gast @, Donnerstag, 13. März 2025, 01:21 (vor 548 Tagen) @ Wolfgang Gourgé


Karl Richter, oft diskutiert, mochte die HIP auch nicht. Aber die Passacaglia, von ihm 1980 in NDdP gespielt: eine Himmelsleiter, mit jeder Variation steigt er höher, für mich unerreicht - ich kenne keine andere Interpretation, die mich derartig "packt". An den leisen Stellen hätte man eine Stecknadel fallen gehört.

Mit allem Respekt vor Karl Richter: Bei diesem Ansatz bevorzuge ich doch eher das Orginal :-P

Ich werde das Stück am Sonntag im Konzert spielen - und habe sogar überlegt, nach Straube und mit diesem Ansatz zu spielen.
Meiner Meinung ist die Herausforderung, in der Fuge die Themeneinsaetze von Alt/Tenor in der Fuge durchhoerbar zu machen - bis auf den isolierten Tenoreinsatz der linken Hand ist da leider Spieltechnisch nicht viel zu holen - das kann ein Orchester wirklich deutlich besser!

Es wird also doch eher ein moderates HIP, was die Stzstfultur hervorhebt.

ewige Fragen, war: Ruben Sturm - München Mariendom

jens79, Donnerstag, 13. März 2025, 12:08 (vor 548 Tagen) @ Gast
bearbeitet von jens79, Donnerstag, 13. März 2025, 12:28

Meiner Meinung ist die Herausforderung, in der Fuge die Themeneinsaetze von Alt/Tenor in der Fuge durchhoerbar zu machen - bis auf den isolierten Tenoreinsatz der linken Hand ist da leider Spieltechnisch nicht viel zu holen -

Wenn es Bach so wichtig gewesen wäre, dass das Thema immer deutlichst herauskommt, warum hat er dann z. B. in T. 192ff so einen engen Satz geschrieben, zum Teil bewegen sich die vier Stimmen im Abstand von nur einer Dezime oder weniger, teils mit Stimmkreuzung?

Das starke, zum Teil sehr schematische Hervorheben von Themeneinsätzen in Fugen kommt aus der romantischen Tradition, wohl auch dadurch bedingt, dass das am Klavier im Gegensatz zum Cembalo möglich ist. Straube versucht diese Unsitte an der Orgel nachzumachen. Irgendwer hat einmal gesagt, die Straube-Schule spiele keine Fugen, sondern nur Themeneinsätze.

Es kommt doch immer auf den Zusammenhang an, wie sehr ein Themeneinsatz hervortreten soll oder kann. Das Thema kann durchaus auch einmal unbemerkt durch die Hintertür kommen. Und gerade Bach ist in seinen Fugen sehr frei. Da gibt es alles, Fugen, in denen das Thema in fast jedem Takt vorkommt (was will man da noch hervorheben?) und auch solche , in denen das Thema nach der Exposition nur noch eher beiläufig gestreift wird, es keine vollständigen Durchführungen mehr gibt - und alles dazwischen.
Gerade aber nicht nur bei Bach können Fugen die unterschiedlichste Gestalt haben, an die alte Vokalpolphonie angelehnt oder ein (schneller) Tanzsatz sein usw.

Ruben Sturm - München Mariendom

jori @, Dienstag, 11. März 2025, 21:41 (vor 549 Tagen) @ Residual

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