OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Mittwoch, 05. Februar 2025, 06:00 (vor 583 Tagen)

https://katholisch.de/artikel/59318-evangelische-landeskirche-erwaegt-ende-der-verbeamt...
Mal eine positive Nachricht - dürfte aber wieder zerredet und nicht durchgesetzt werden. Beamter und Pfarrer widerspricht sich sowieso. Und die Rentenrückstellungen sind ein riesiger, wenn nicht größter, lähmender Haushaltsposten. Da ist wohl die gesamte Kirchenmusik, haupt- und nebenamtlich, finanziell dagegen irrelevant. (PS Wie war das gleich mit der Anzahl hauptamtl. Kirchenmusikstellen im Bistum Hamburg? Aber immer schön betteln und neu bauen...)

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 05. Februar 2025, 10:00 (vor 582 Tagen) @ MartinH

https://katholisch.de/artikel/59318-evangelische-landeskirche-erwaegt-ende-der-verbeamt...
Mal eine positive Nachricht - dürfte aber wieder zerredet und nicht durchgesetzt werden. Beamter und Pfarrer widerspricht sich sowieso. Und die Rentenrückstellungen sind ein riesiger, wenn nicht größter, lähmender Haushaltsposten. Da ist wohl die gesamte Kirchenmusik, haupt- und nebenamtlich, finanziell dagegen irrelevant. (PS Wie war das gleich mit der Anzahl hauptamtl. Kirchenmusikstellen im Bistum Hamburg? Aber immer schön betteln und neu bauen...)

Wie war das gleich mit Äpfeln und Birnen? Ja, ist schon beides Obst, aber ein paar Unterschiede bestehen doch. Das Erzbistum Hamburg baut schon lange nur mehr ab, nicht neu. Betteln, ja. Dass Gemeinden und ihre übergeordneten Kirchen betteln, ist erst mal per se nicht verwerflich, beinahe sogar biblisch begründet. Dein ewiger Zorn richtet sich sicher gegen das Betteln zusätzlich zur Alimentation. Das EB Hamburg hat sich in Sachen vorausblickender Finanzplanung wirklich sehr schwach präsentiert, m. W. nach ungeschickter als andere Bistümer. Das war mit kritischen Phasen für alle kath. Schulen im EB verbunden, das habe ich als betroffenes Elternteil mitbekommen.
Die evangelische Nordkirche verwaltet den Abstieg schon deutlich professioneller, muss ich sagen, insofern kann ich hier auch kein unappetitliches Betteln feststellen. Vom Rheinland weiß ich nur aus Abstand, dass die Talfahrgeschwindigkeit besonders hoch ist. Aber dazu und zum Umgang damit können hier andere viel besser erzählen.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Mittwoch, 05. Februar 2025, 10:16 (vor 582 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Betteln (positiver: Spenden sammeln und am Ende 3,4% dazugeben als Eigentümer) für neue Orgeln meinte ich. Oder Turnuswartungen...
Diese Handvoll Hauptamtler für solch ein riesiges Bistum ist einfach krass. Und die x Nebenamtler mit ihren 3,55h und quasi unvergüteter Übezeit. Soll man sich freuen, dass "man" dann irgendwann das (musikalisch) bekommt, was man verdient?

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 05. Februar 2025, 10:21 (vor 582 Tagen) @ MartinH

Diese Handvoll Hauptamtler für solch ein riesiges Bistum ist einfach krass. Und die x Nebenamtler mit ihren 3,55h und quasi unvergüteter Übezeit. Soll man sich freuen, dass "man" dann irgendwann das (musikalisch) bekommt, was man verdient?

Hamburg jetzt? Definitiv schwierige Situation. Soll man sich "freuen"? Na, bei einigen hat man immer malv das Gefühl *räusper* aber immerhin hier als Frage formuliert.
Und: Nein.

Edit: Wobei ich mir einzelne Neben- und Ehrenamtler vorstellen kann mit recht guter Ausbildung, aber anderem beruflichen Schwerpunkt, die sagen: Bei mir hört man hoffentlich nicht, dass es quasi kostenlos ist!

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Mittwoch, 05. Februar 2025, 10:37 (vor 582 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Da dürfte sich kaum einer freuen, mancher leidet bei den GoDi-Übertragungen eher mit. Und damit meine ich nicht Fehler, sondern das Übliche, Immergleiche, Erwartbare, gerade teure Orgeln nicht ansatzweise Ausnutzende.
Versuch, es OnT hinzubiegen: nach dem Ende der Pfarrer-Verbeamtungen dürfte sehr viel Geld vorhanden sein. Wenn dann noch einer mitmachen will...

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 05. Februar 2025, 11:10 (vor 582 Tagen) @ MartinH

Da dürfte sich kaum einer freuen, mancher leidet bei den GoDi-Übertragungen eher mit. Und damit meine ich nicht Fehler, sondern das Übliche, Immergleiche, Erwartbare, gerade teure Orgeln nicht ansatzweise Ausnutzende.

Da ist was dran.

Versuch, es OnT hinzubiegen: nach dem Ende der Pfarrer-Verbeamtungen dürfte sehr viel Geld vorhanden sein. Wenn dann noch einer mitmachen will...

Diese Hoffnung teile ich nicht, denn es gibt in allen Kirchen (=Landeskirchen, Diözesen) dasselbe Faß ohne Boden, das nur nicht so laut schreit, und das sind die Immobilien.
Was hier in Mecklenburg-Vorpommern an herrlichen Pfarrhäusern verscheuert werden muss, wenn es denn klappt - denn nur wenige sind schon jetzt herrlich, viele brauchen eine energetische Sanierung, und wenn sich der Besitzer als Kirche gerade das besonders auf die Fahne geschrieben hat, gleichzeitig aber kaum mehr eine Nutzung möglich ist oder stattfindet - idealerweise werden es Dorfgemeinschaftshäuser oder so, oft gehen sie nach privat, einige bleiben bis auf weiteres Leerstand. Landschaftlich überwiegend super gelegen (wenn man auf städtische Anbindung wirklich verzichten kann, weil man leider muss), oft mit altem (Obst)Baumbestand und größerem Garten...

Sollte Geld durch die Entbeamtung frei werden, bedarf es in den Kirchgemeinderäten leidenschaftlicher KiMu-Befürworter, dass es in diesem Sektor ankommt. Aber eigentlich sollen diese Maßnahmen ja nicht Gelder freimachen (auch wenn es gerne so verkauft wird), sondern Verpflichtung und Besitzstand dem Fehlen eben jener Gelder anpassen.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 05. Februar 2025, 13:20 (vor 582 Tagen) @ MartinH

Erstens: "Geistliche" gibt es bei uns nicht.

Zweitens: Es mag sein, daß das einige bei ihren populistischen Affekten packt, die ja gerne bei allem anspringen, wo "Beamter" drübersteht. Daß man damit letztlich auch nur das Lied der Neoliberalen singt, aus Überzeugung oder aus Dummheit, ist ja auch nicht vielen bewußt, aber was hilft's.

Tatsache ist aber, daß das ein weiterer Sargnagel für den Pfarrberuf ist, in einer der größten Nachwuchskrisen, die wir in der Kirche jemals hatten. Auch der Kirchenmusik wird das alles andere als gut tun. Und ich denke, die Zusammenhänge dahinter sind auch vielen in der Kirchenmusikszene bisher nicht ausreichend klar, weil das Verhältnis zwischen Kanzel und Musik noch viel zu oft durch Neid und Mißgunst bestimmt wird.

Dazu ein paar erklärende Worte:
Diejenigen, die jetzt innerhalb der Pfarrerschaft am lautesten bekunden, daß es die Verbeamtung ja eigentlich gar nicht bräuchte, sind hauptsächlich gut versorgte Mitglieder alter Pfarrdynastien, die auf reiche Erbschaften und dergleichen vertrauen können und deren Altersversorgung sicher ist. Auf ihre Zustimmung kann die derzeitige Leitung der EKiR vertrauen, die die mit dem Pfarrberuf verbundene akademisch-theologische Qualifikation in den Gemeinden ohnehin für überflüssigen Luxus hält, siehe die gleichzeitig verhandelten Pläne zur Schließung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal.

Die "Normalos" aber würden, falls sich das breit durchsetzt, noch seltener den Weg in den Pfarrberuf finden als ohnehin schon. Und das ist keine gute Nachricht für die Kirchenmusik, auch wenn sich das manche vielleicht noch einbilden. Zwar haben sich diejenigen im Pfarrberuf, die nicht aus der kirchlich-hochkulturell geprägten oberen Mittelschicht stammten, in den letzten 30-40 Jahren nicht gerade als Freunde der klassischen Kirchenmusik profiliert, aber auch da haben sich die Verhältnisse grundlegend gewandelt. Die ehemals "Hochkulturellen" innerhalb der Kirchen haben sich längst dem populären Infantilismus angepasst und sind mittlerweile seine schärfsten Verteidiger. Dafür, daß man von Kirchenmusik auch leben können muss und daß nicht "die Orgel spielt", sondern Menschen, die dafür eine fundierte Ausbildung brauchen, sind mittlerweile eher diejenigen erreichbar, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen sind.
Also auch diejenigen, die sich ohne Verbeamtung nur schwer dafür entscheiden könnten, ihr Leben einem burnoutgefährlichen 24-Stunden-Job zu widmen, im Wissen, daß für ihre Generation von so etwas wie "Ruhestand" vor 75 nicht zu träumen ist.

Dabei geht es den meisten auch nicht zuallererst um die Zahl auf dem Kontoauszug, sondern um die Selbstverpflichtung der Gemeinschaft, in der man Dienst tut, ihre Dienerinnen und Diener im Ruhestand nicht hinten runterfallen zu lassen. Das ist der enscheidende Punkt. Über die Ausgestaltung kann man reden.

Die Entwicklung innerhalb der EKiR sehe ich gerade auch mit größter Sorge. Da verteidigt sich gerade, auch wenn das jetzt sehr hart klingen mag, eher der Apparat in Düsseldorf selbst gegen die Sparzwänge und zielt auf die Schwächsten, also den Nachwuchs. Meiner Meinung nach wäre die überfällige Fusion mit Westfalen und eine Beschränkung der Kirchenverwaltung und Kirchenleitung auf ihre synodale Funktion der sinnvollere Weg zur Bewältigung der Haushaltskrise. Leider lassen sich gerade sehr viele Menschen noch von einem Präses einlullen, der lieber Landesbischof wäre und sich intern verhält wie eine Mischung aus Gebrauchtwagenhändler und Mafioso.

Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwelche kurz gedachten Hoffnungen, ein Ende der Verbeamtung könnte Mittel für die Kirchenmusik freisetzen, sind mit idiotisch noch freundlich umschrieben. Sie ist vielmehr Folge der Entwicklung, unter der auch die Kirchenmusik leidet, auch wenn ihr Niedergang schon früher eingesetzt hat.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 05. Februar 2025, 14:42 (vor 582 Tagen) @ Poupoulcorouse

Diesem Text möchte ich weitgehend zustimmen. Was ich bestätigen kann, aus erster Hand an der hiesigen Theol. Fakultät:
Was, wenn überhaupt, nachkommt in den Pfarrberuf, ist nicht geeignet, die Defizite in der Kirchenmusik, wie wir sie jedenfalls kennen und meist schätzen (auch wenn man diese gerne in Frage stellen darf und sollte), zu verringern.
Insofern ist die Mahnung von PPC, dass das Verringern der Attraktivität des Berufes mindestens aus KiMu-Sicht, vermutlich aber generell, nach hinten losgeht, begründet.

Die aktuellen Tehologie-Studierenden sind meist lieb und nett, oft sehr klug. Aber ein Interesse für das Mysterium der Liturgie, für das Transzentente in Musik oder auch bildender Kunst, hat nicht zugenommen. Das liegt auch an der Glaubensbiographie, die vor Studienbeginn tendenziell dünner bzw. kürzer verläuft als (wann auch immer) "früher".
Und selbst wenn Begegnungnen mit traditioneller Liturgie stattgefunden haben - wir (Entschuldigung für das wir) wissen selbst und diskutieren das ja auch regelmäßig im Forum, dass das, was man da erleben kann, oft nicht den Tiefgang erreicht, der nötig wäre. Tiefgang nicht (nur) im Sinne handwerklicher Qualität, sondern vor allem in Authentizität.
Ausnahmen bestätigen die Regel, aber es ist schon statistisch nicht einfach, dass aus einer Kirchengemeinde, in der irgendwie Mutmachendes und Tiefgründiges zu erleben ist, jemand sich auch für den Berufsweg des Pfarramtes entscheidet.

Ich staune allerdings immer wieder (da es bei mir selbst anders lief), wie einige junge Pastor:innen über ihren Glauben und ihre Berufung sprechen, wie stark ihr Fundament ist und oft recht spät und in relativ kurzer Zeit sich gründete.

Und ich bin sicher, das hört auch künftig nicht auf, wird nur immer seltener. Passend zu den immer selteneren Mitgliedern. Unpassend leider zu den realen Bedürfnissen der Gesellschaft.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 05. Februar 2025, 15:05 (vor 582 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Danke.

Und aus reformierter Perspektive würde ich noch ergänzen, daß es auch nicht zwingend um ein durch die Liturgie vermitteltes Mysterium gehen muss, daß aber der Sinn dafür, selbst Teil des gottesdienstlichen Geschehens zu sein, irgendwie erlernt werden muss. Es wird überall von "Partizipation" geschwätzt, aber die Musik im Gottesdienst wird immer mehr zum Konsumgut und die Gemeindeglieder merken gar nicht, was ihnen damit tatsächlich weggenommen wird.

Und ja, leider hinterfragen viele Jüngere da gar nichts mehr. Natürlich tun das noch einige und das sind auch diejenigen, mit denen ich am meisten zu tun habe. Aber daß wir keine Mehrheit sind, das ist mir auch klar. Viele bleiben (Stichwort Infantilismus) in einem, naja, "Konfirmanden-Mindset" hängen und halten das über das Studium durch.
Ich war am Sonntag beim Eröffnungsgottesdienst der Landessynode in Bonn, mit einer größeren Gruppe, die für den Erhalt der KiHo Wuppertal protestiert haben. Und ich hab' mich für eine Handvoll Kommilitonen in Grund und Boden geschämt, die den ganzen Gottesdienst hindurch getuschelt haben in einer Art und Weise, daß es dauernd hörbar war, auch während Musik. Und das waren aktive, engagierte Studierende, die Gremienerfahrung haben und Ämter bekleiden.
Man kann also leider was das "sich selbst und andere ernst nehmen" betrifft auf zwei Seiten vom Pferd fallen.

Das ist aber nichts, was ein Alleinstellungsmerkmal der Theologie wäre. Überall in der Gesellschaft werden große Kinder herangezüchtet. Nur uns fliegt das nochmal in besonderer Weise um die Ohren. Und die Folgen prägen leider auch unsere Theologie.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Mittwoch, 05. Februar 2025, 17:00 (vor 582 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von MartinH, Mittwoch, 05. Februar 2025, 17:16

Erstens: "Geistliche" gibt es bei uns nicht.

Das war ein Quasi-Zitat des katholisch.de-Artikels.


Zweitens: Es mag sein, daß das einige bei ihren populistischen Affekten packt, die ja gerne bei allem anspringen, wo "Beamter" drübersteht.

Ja, dass das ausgerechnet bei Pfarrern so ist, ist schon sehr merkwürdig. Nicht, dass es einen Normalo interessieren oder er es jemals erwarten würde, und intern ordentlich umgehen mit Beschäftigten kann man auch ohne deren Beamtenstatus und sehr sehr viel günstiger für die vielen "Karteileichen". Welche Hoheitsaufgaben werden denn hier erfüllt? Passt das so in das alttestamentarische Bild?
Vielmehr wird es höchste Zeit, dass diese bestgestellten Herrschaften ihren Teil zur Misere (die sie ja zuvorderst selbst verschuldet haben) beitragen.


Tatsache ist aber, daß das ein weiterer Sargnagel für den Pfarrberuf ist, in einer der größten Nachwuchskrisen, die wir in der Kirche jemals hatten.

Ach, jetzt ist auch der "fehlende Status" schuld?

<Auch der Kirchenmusik wird das alles andere als gut tun.
Das glaube ich nun überhaupt nicht.

<Und ich denke, die Zusammenhänge dahinter sind auch vielen in der Kirchenmusikszene bisher nicht ausreichend klar, weil das Verhältnis zwischen Kanzel und Musik noch viel zu oft durch Neid und Mißgunst bestimmt wird.
Da können sich die Pfarrer regelmäßig an die eigene Nase fassen. Fast egal was ist, die "gewinnen immer". Auch das nuss sich ändern. Bis eine Kirchenleitung einen Pfarrer versetzt oder den KG wegen Ungedeihlichkeit (oder wie das heißt) entfernt, muss extrem viel vorgefallen sein.


Dazu ein paar erklärende Worte:
Diejenigen, die jetzt innerhalb der Pfarrerschaft am lautesten bekunden, daß es die Verbeamtung ja eigentlich gar nicht bräuchte, sind hauptsächlich gut versorgte Mitglieder alter Pfarrdynastien, die auf reiche Erbschaften

Ist ja lustig. Gibt's sowas auch bei Kantoren? Und dass die Berufsgruppe das selbst in die Diskussion bringt, lässt ja schon sehr tief blicken. Auch wenn es vielleicht nur ein Scheingefecht ist ("gut, dass wir auch darüber geredet haben, schließlich sind alle von weither angereist, und seht, wir haben kein Tabu")

< Pläne zur Schließung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal.
Hatte ich jetzt nicht mitbekommen. Was tritt evtl. an deren Stelle? Oder Schließung mangels Bewerbern?


Die "Normalos" aber würden, falls sich das breit durchsetzt, noch seltener den Weg in den Pfarrberuf finden als ohnehin schon. Und das ist keine gute Nachricht für die Kirchenmusik, auch wenn sich das manche vielleicht noch einbilden. Zwar haben sich diejenigen im Pfarrberuf, die nicht aus der kirchlich-hochkulturell geprägten oberen Mittelschicht stammten, in den letzten 30-40 Jahren nicht gerade als Freunde der klassischen Kirchenmusik profiliert, aber auch da haben sich die Verhältnisse grundlegend gewandelt.

So, da sehe ich aber nun gar nichts davon.

< Die ehemals "Hochkulturellen" innerhalb der Kirchen haben sich längst dem populären Infantilismus angepasst und sind mittlerweile seine schärfsten Verteidiger. Dafür, daß man von Kirchenmusik auch leben können muss und daß nicht "die Orgel spielt", sondern Menschen, die dafür eine fundierte Ausbildung brauchen, sind mittlerweile eher diejenigen erreichbar, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen sind.

Also auch diejenigen, die sich ohne Verbeamtung nur schwer dafür entscheiden könnten, ihr Leben einem burnoutgefährlichen 24-Stunden-Job zu widmen, im Wissen, daß für ihre Generation von so etwas wie "Ruhestand" vor 75 nicht zu träumen ist.

Ruhestandstätigkeiten sind alle freiwillig. Man kennt genug Beispiele für beidseitige Zufriedenheit mit solchen Dingen, gerade auch im kath. Bereich.


Dabei geht es den meisten auch nicht zuallererst um die Zahl auf dem Kontoauszug, sondern um die Selbstverpflichtung der Gemeinschaft, in der man Dienst tut, ihre Dienerinnen und Diener im Ruhestand nicht hinten runterfallen zu lassen. Das ist der enscheidende Punkt. Über die Ausgestaltung kann man reden.

Die Entwicklung innerhalb der EKiR sehe ich gerade auch mit größter Sorge. Da verteidigt sich gerade, auch wenn das jetzt sehr hart klingen mag, eher der Apparat in Düsseldorf selbst gegen die Sparzwänge und zielt auf die Schwächsten, also den Nachwuchs. Meiner Meinung nach wäre die überfällige Fusion mit Westfalen und eine Beschränkung der Kirchenverwaltung

Jaja, die Verwaltungen. Dann muss man da halt mal Licht reinlassen, was sich da wie verselbständigt hat. Das geht dort ja immer recht schnell.

Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwelche kurz gedachten Hoffnungen, ein Ende der Verbeamtung könnte Mittel für die Kirchenmusik freisetzen, sind mit idiotisch noch freundlich umschrieben.

Natürlich setzte das enorme Mittel frei, über die dann zu entscheiden wäre. Oder widerlege mich. Würde mich nicht wundern, wenn das nach den Immobilien (trotz riesiger staatl. Hilfen) der mit Abstand größte Posten wäre. Gerade als junger Pfarrer, der gestalten will und dazu Mittel braucht/freimachen muss, dürfte man das nicht so ablehnend sehen
PS KantorInnen kann man dagegen schon feuern, wenn ein Psychopath im Pfarrergewand sant Kirchenvorstand beschlossen hat, den "Arbeitsbereich wegfallen" zu lassen und extern einzukaufen. Kann man bei kirchlichen. Gerichten nachlesen, Fall aus der hippen EKBO. Komplettversagen auch der kirchenmusik. "Fachberater" (die sind irgendwie auch immer nur für Erfolge zuständig (oder welche teilweise Lappalien heutzutage dafür verkauft werden), bei anderem ist man eher nicht zuständig oder wägt "Wichtigkeiten" und Kumpeleien ab. Schön wenn man solche eine Funktion (regelmäsig) auf Lebenszeit bekleiden darf.

sorry: war:OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Montag, 10. März 2025, 10:59 (vor 549 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von MartinH, Montag, 10. März 2025, 11:19

Ich will mich hier für die Rundumschläge der letzten Zeit von mir entschuldigen (allgemein und gesammelt sozusagen), das ist sicher zu wenig differenziert, teils unfair und sagt mehr über meinen derzeitigen Zustand aus als über den der Welt.
Also bitte nicht persönlich nehmen.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Wolfgang Gourgé @, Mittwoch, 05. Februar 2025, 15:21 (vor 582 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Mittwoch, 05. Februar 2025, 15:25

https://katholisch.de/artikel/59318-evangelische-landeskirche-erwaegt-ende-der-verbeamt...
Mal eine positive Nachricht - dürfte aber wieder zerredet und nicht durchgesetzt werden. Beamter und Pfarrer widerspricht sich sowieso. Und die Rentenrückstellungen sind ein riesiger, wenn nicht größter, lähmender Haushaltsposten. Da ist wohl die gesamte Kirchenmusik, haupt- und nebenamtlich, finanziell dagegen irrelevant. (PS Wie war das gleich mit der Anzahl hauptamtl. Kirchenmusikstellen im Bistum Hamburg? Aber immer schön betteln und neu bauen...)

....das mit "positiv" kann man durchaus auch anders sehen. Die Verbeamtung hat den Sinn, den/die Geistliche/n in einem über ein normales Arbeitsverhältnis hinausgehenden gegenseitigen Treueverhältnis gegen äußeren Druck aufgrund unpopulärer Positionen oder Entscheidungen in Schutz zu nehmen, ähnlich wie bei weltlichen Beamten, so dass diese bei einem politischen Wechsel - siehe Trump! - nicht einfach vor die Tür gesetzt oder sonst mit arbeitsrechtlichen Sanktionen überzogen werden können.

Zudem fragt sich, was ein Theologe beruflich machen soll, wenn er seinen Arbeitsplatz als Pfarrer wie jeder andere verlieren kann. Z.B. in der rheinischen Landeskirche hat es im Jahr 2009 schon mal einen solchen groß angelegten Versuch gegeben, vermeintlich "überzählige" Pfarrerinnen und Pfarrer mittels eines mehr als fragwürdigen Verfahrens "loszuwerden".

Ich habe eine ganze Reihe schlechter evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer erlebt (katholische übrigens auch); jeder Status dieser Art "lädt" natürlich Opportunisten und ungeeignete Charaktere ein, sich darin ein bequemes Leben mit ausgeprägt freizeitoptimierter Arbeitsauffassung zu machen, flankiert von einem mittels geschickter Intrigen gefügigen Kirchenvorstand und mit völliger Gleichgültigkeit gegenüber der evident verheerenden Außenwirkung, camoufliert mit geheuchelter Sorge um den Untergang des christlichen Abendlands, weil ja kaum noch jemand in die Kirche gehe. Aber das spricht nicht grundsätzlich gegen die Beamtenposition, sondern gegen eine falsche Auwahl gleich bei der Einstellung und Verbeamtung.

Ein Pfarrer muss in Ostsachsen in einem Ort mit 50% rechtsradikalem Gemeinderat und ebensolchen sonstigen Wahlergebnissen in der Lage sein, geschützt durch sein Beamtenverhältnis zu sagen, was aus christlicher Sicht dazu zu sagen ist. Ebenso muss er durch sein Beamtenverhältnis vor einer Kirchenobrigkeit geschützt sein, die vielleicht irgendwann mal politisch "umkippt". Er oder sie soll seinem Gewissen, seiner Überzeugung und der christlichen Botschaft verpflichtet sein, sonst niemandem. Ist seine materielle Existenz davon abhängig, es sich mit den Radikalen nicht zu verderben, ist er nicht mehr unabhängig. Darum geht's, und deshalb sollte man solche Überlegungen, die einzig aus der zu einem großen Teil selbstverschuldeten Not der Landeskirchen resultieren, mit einiger Skepsis betrachten.

Übrigens: auch ein Pastor Latzel in Bremen wird durch seinen Beamtenstatus geschützt. Das muss man hinnehmen; ich selbst halte ihn inhaltlich für einen leicht durchschaubaren Opportunisten und Denk-Verweigerer, der seiner reaktionären Blase jeden Sonntag das vorsetzt, was diese "hören will" - eine Art männlicher Kässmann mit umgekehrten politischen Vorzeichen. Aber mit Latzel, der eine Einzelerscheinung ist und bleiben wird, weil seine Positionen zu offensichtlich die (natürliche) Intelligenz beleidigen, kann man leben.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 05. Februar 2025, 15:42 (vor 582 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Dazu kommt: Die ganze Chose auf der Synode gerade ist ohnehin nur PR ohne juristische Folgen. Über die Zukunft der Verbeamtung kann nur auf EKD-Ebene verbindlich entschieden werden.

Aus Wuppertaler Perspektive fragen wir uns eher, ob das Ganze nicht vielmehr ein geschickter Schachzug der Kirchenleitung war, die darauf vertraut, daß das Gesamtpaket so ermüdend wird, daß die Schließung der KiHo am Ende durchgewunken wird.

Und, notabene: Auch da geht es letztlich um die Erhaltung einer unabhängigen akademischen Theologie in immer unsicher werdenden Zeiten.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 05. Februar 2025, 16:25 (vor 582 Tagen) @ Poupoulcorouse

@Wolfgang: Zustimmung!

Dazu kommt: Die ganze Chose auf der Synode gerade ist ohnehin nur PR ohne juristische Folgen. Über die Zukunft der Verbeamtung kann nur auf EKD-Ebene verbindlich entschieden werden.

Ähnlich wie in der Tagespolitik...

Aus Wuppertaler Perspektive fragen wir uns eher, ob das Ganze nicht vielmehr ein geschickter Schachzug der Kirchenleitung war, die darauf vertraut, daß das Gesamtpaket so ermüdend wird, daß die Schließung der KiHo am Ende durchgewunken wird.

Man würde ja gerne solche Äußerungen als boshafte Unterstellung werten, aber auch dafür sind die Zeiten leider vorbei, die Plausibilität hat stark zugenommen.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 05. Februar 2025, 16:36 (vor 582 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Man würde ja gerne solche Äußerungen als boshafte Unterstellung werten, aber auch dafür sind die Zeiten leider vorbei, die Plausibilität hat stark zugenommen.


Sagen wir's mal so: Wir haben in Wuppertal in der letzten Zeit einiges erlebt. Früher hätte ich sowas auch nicht gedacht/gesagt.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Residual, Mittwoch, 12. Februar 2025, 19:59 (vor 575 Tagen) @ Poupoulcorouse

...

Und, notabene: Auch da geht es letztlich um die Erhaltung einer unabhängigen akademischen Theologie in immer unsicher werdenden Zeiten.

Akademisch verbrämt Glaubensdingen ein (pseudo-)wissenschaftliches Professorenmäntelchen umzuhängen gehört m.E. zu den größten Leistungen, dem (Kirchen-)Steuerzahler fortwährend Geld aus der Tasche zu ziehen.
Pfarrer aus meiner Bekannt- und Verwandtschaft nutzten die KiHo während ihrer ersten Semester für die nötigen Nachweise in alten Sprachen.
Anschließend wechselten sie schnell an "richtige" Hochschulen; es war ihnen auf dem "heiligen Berg" geist(l)ich zu eng geworden.
Wenn es keinen Ausbildungsbedarf mehr gibt, sollten nicht nur Kirchenmusikschulen oder Kirchenmusikabteilungen an staatlichen MHS geschlossen werden, sondern es darf auch mal einen viel zu lang gepäppelten "Beamtennachwuchsstall" betreffen.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 12. Februar 2025, 22:04 (vor 575 Tagen) @ Residual

Du kannst natürlich gerne deine Meinung von 50 Jahre alten Klischees bestimmen lassen, aber dabei kommen, je nach Standpunkt, einige der staatlichen Fakultäten auch nicht besser weg.

Der restliche populistische Mumpitz beantwortet sich von selbst. Morbus Poschardt, auch "Pseudomusk" genannt.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Residual, Freitag, 14. Februar 2025, 11:07 (vor 573 Tagen) @ Poupoulcorouse

Deine Antwort lässt die Begrenztheit eines Theologiestudiums ahnen, ebenso wie ein verkrampftes Festhalten an überholten Strukturen.
Die Verbeamtung von Pfarrern ist eine Sonderform einiger weniger nordeuropäischer Kirchen.
Wieviel Leid ist über Gemeinden, Ehren- und Hauptamtliche gekommen, weil es fast unmöglich ist, sich von unfähigen aber verbeamteten Pfarrern zu trennen, selbst wenn ihr Alkoholismus, ihre Fresssucht oder andere Störungen, ihre Unfähigkeiten in Menschenführung und Organisation allzu offensichtlich wurden.
Die Finanzen, mit denen man sie in harmlose Sonderstellen wegloben konnte, sind aufgebraucht.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Freitag, 14. Februar 2025, 11:45 (vor 573 Tagen) @ Residual

Klar, Widerspruch kann nur meinen, daß du eigentlich Recht hast und daß man sich für deinen Quark nicht viel Zeit nimmt, hat auch nichts mit der Qualität deines Beitrages zu tun, sondern ebenfalls damit, daß du ja Recht hast.

Mit besten Grüßen auch an Dunning und Kruger.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Freitag, 14. Februar 2025, 13:59 (vor 573 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von MartinH, Freitag, 14. Februar 2025, 14:27

Wenn ausgerechnet Pfarrer von Dunning-Kruger reden...
Edit: Satzbeendigung: dann werde ich recht hellhörig - kenne ich doch keinen anderen Beruf, der sich für quasi alles zuständig, kompetent und gesandt fühlt. Ob allerdings alleine die (nicht geschehen werdende) Beendigung des Beamtenstatus(s)' dazu führt, gestandene KMDs nicht mehr wie kleine Kinder zu behandeln (oder schlimmer, Nebenamtler sowieso), bleibt fraglich.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Freitag, 14. Februar 2025, 17:25 (vor 573 Tagen) @ MartinH

Wobei das Gefühl "sich für quasi alles zuständig, kompetent und gesandt" zu fühlen, dir ja gänzlich fremd ist, woll?

Eine mögliche Beendigung der Aufnahme neuer Pfarrpersonen ins Kirchenbeamtenverhältnis dürfte dazu führen, daß der Pfarrberuf soziologisch noch einseitiger aufgestellt sein wird als das jetzt bereits der Fall ist. Wenn du dir davon ernsthaft mehr Respekt vor Kirchenmusikern versprichst, dann bist du noch verblendeter als ich dachte.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 16. Februar 2025, 14:46 (vor 571 Tagen) @ Poupoulcorouse

Wobei das Gefühl "sich für quasi alles zuständig, kompetent und gesandt" zu fühlen, dir ja gänzlich fremd ist, woll?

der ist gut...

Eine mögliche Beendigung der Aufnahme neuer Pfarrpersonen ins Kirchenbeamtenverhältnis dürfte dazu führen, daß der Pfarrberuf soziologisch noch einseitiger aufgestellt sein wird als das jetzt bereits der Fall ist. Wenn du dir davon ernsthaft mehr Respekt vor Kirchenmusikern versprichst, dann bist du noch verblendeter als ich dachte.

Dürfte stimmen. Leider.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Residual, Mittwoch, 26. Februar 2025, 23:41 (vor 561 Tagen) @ Poupoulcorouse

Bezeichnend, nicht auf Argumente zu erwidern, sondern nur allgemein herum zu schwafeln.
Zugespitzt mit Praxisfällen untermauert: Wenn das deutsche Beamtenrecht alkoholkranke Pfarrer dienstrechtlich unangreifbar macht, gehört es zugunsten der betroffenen Gemeinden abgeschafft.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Donnerstag, 27. Februar 2025, 00:26 (vor 561 Tagen) @ Residual

Kommt zwar auch drauf an, was du unter "unantastbar" verstehst, in jedem Fall aber: Nein, tut es nicht. Und darin unterscheidet sich der Pfarrberuf auch nicht von anderen Berufen, für die man eine akademische Ausbildung braucht.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Residual, Donnerstag, 27. Februar 2025, 00:09 (vor 561 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von Residual, Donnerstag, 27. Februar 2025, 00:21

Wie wärs mal mit Argumenten statt pauschalem Geschwafel?
Zugespitzt: Solange das deutsche Beamtenrecht Alkoholikern im Pfarramt ihr verheerendes Wirken in Kirchengemeinden unangreifbar macht, gehört es abgeschafft.
Wenn anspruchsvolle Kirchenmusik nur noch in vom amusischen Klerus unabhängigen Kreisen überleben sollte, ist das bedauernswert, aber möglich, wie in der Vergangenheit bewiesen.

OT: Ende der Verbeamtung (...)

perotin, Donnerstag, 27. Februar 2025, 01:50 (vor 561 Tagen) @ Residual

Wie wärs mal mit Argumenten statt pauschalem Geschwafel? (...)
Wenn anspruchsvolle Kirchenmusik nur noch in vom amusischen Klerus unabhängigen Kreisen überleben sollte, ist das bedauernswert, aber möglich, wie in der Vergangenheit bewiesen.

Um mal im Sprachduktus zu bleiben: Warum so ein pauschales Geschwafel vom "amusischen Klerus"? Ich habe etliche sehr musikalische und die Kirchenmusik schätzende Pfarrer (und Priester) kennengelernt. Manche verstehen auch wirklich etwas von Musik und können z.B. sehr gut singen.

OT: Ende der Verbeamtung (...)

MAT @, Donnerstag, 27. Februar 2025, 07:07 (vor 561 Tagen) @ perotin

Es soll auch welche geben, die ziemlich gut die Orgel spielen.

--
Gruß
MAT

musikalische Pfarrer/innen - War: OT: Ende der Verbeamtung (...)

jrbecker @, Donnerstag, 27. Februar 2025, 07:30 (vor 561 Tagen) @ MAT

Es soll auch welche geben, die ziemlich gut die Orgel spielen.

Meine Pfarrerin singt im Kirchenchor und spielt Tenorhorn im Posaunenchor. Während ich es früher so kannte, dass im ev. Sektor die Lieder vom Pfarrer vorgegeben werden, ist es bei meiner jetzigen Dienstelle von Anfang an so, dass ich häufig gefragt werde und die Auswahl zumindest beeinflussen, meist auch bestimmen kann. Wir haben 1,5 Pfarrstellen, auch für die in den letzten über 20 Jahren wechselnden Inhaber/innen der 0,5-Stelle kann ich nichts anderes sagen. Auch alle Vikarinnen und Vikare in der Gemeinde werden so "erzogen", dass sie sich bezüglich der Liedauswahl mit den Organistinnen/Organisten abstimmen. Ich kenne es in unserer Geminde nur noch von aushelfenden Prädikanten/innen so, dass diese mit ihrem festeingesessenen Liedstamm kommen ...

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Freitag, 14. Februar 2025, 23:14 (vor 573 Tagen) @ Residual

Alles richtig, wahrscheinlich auch gespeist aus eigenem Erleben. Offensichtlich haben diese Leute komplette Narrenfreiheit. In der Institution, für deren Quasi-Komplettuntergang hauptsächlich sie selbst verantwortlich sind, imho. Wenn man sich mal überlegt, was von einer einstmals (zu Recht) stolzen und allseits gewinnbringenden (klar nicht fehlerfreien) Kirche übriggeblieben ist. Schlimmer geht nimmer. Da fällt mir ein, hattest Du nicht selbst so eine haarsträubende Geschichte erzählt? Wobei man da schon froh sein muss, dass sich die Zuständigen dazu bequemten, sich einzuschalten. War von den recht bekloppten Vorwürfen nicht rein gar nichts übriggeblieben? Da wäre es interessant zu wissen, wie es weiterging. Konsequenzenlos für die verantwortlichen Pfarraonen würde mich nicht wundern. Das ist ja der Normalfall. Und die sind so schmerzfrei, dass denen noch nichtmal eine Öffentlichkeit was ausmacht. Da fremdschämen sich dann aber wenigstens einige andere.

@MartinH: Warum schäumst Du immer so?

alla_marcia, Samstag, 15. Februar 2025, 15:53 (vor 572 Tagen) @ MartinH

Lieber MartinH,

auch ich hatte in meiner kurzen Karriere als Aushilfsorganist ab und an unliebsame Erlebnisse. Sowohl mit Katholens wie auch Evangelens. Schon damals dankte ich dem Allmächtigen auf Knien dafür, niemals Kirchenmusik studiert zu haben und mich daher nicht als Hauptamtler mit irgendwelchen "Pfarrherren" herumschlagen zu müssen. Schlecht bezahlt waren die Orgelvertretungen schon immer. Aber das ist inzwischen gottlob nicht mehr mein Problem. Als damals in den Bistümern immer weiter gekürzt wurde und sich niemand mehr imstande sah, überhaupt noch Orgelvertretungen von Honorarkräften zu bezahlen, quittierte ich erhobenen Hauptes meinen Dienst. Und habe es keinen Tag bereut, nicht mehr meine Wochenenden wegen 1-2 Diensten kaputtzumachen.

Ich habe mit diesem Thema inzwischen meinen Frieden gemacht. Sollen sich doch die jungen Leute, die Kirchenmusik studieren, ins Verderben stürzen. Gewarnt wurde und wird ja nicht nur hier im Forum.

Aber warum schäumst ausgerechnet DU hier immer so extrem herum? Gab es pöhse Geistliche, dir Dir damals Deine hauptamtliche KiMu-Karriere versaut haben? Warum hast Du so einen Hals - und das bis heute?

Versöhnliche Grüße

@MartinH: Warum schäumst Du immer so?

MartinH, Samstag, 15. Februar 2025, 17:10 (vor 572 Tagen) @ alla_marcia

Warum ich immer so "schäume"? Ganz einfach, weil ich genug Ungerechtigkeiten und Unverschämtheiten beobachtet habe. Die großteils feige Kirchenmusikszene findet das manchmal sogar "witzig", solange es sie nicht selbst betrifft. Ist auf jeden Fall ein guter bzw. durchaus notwendiger Kontrapunkt zu den ganzen verwöhnten (bettelnden) Organisten/Geldausgebern und Günstlingswirtschaftlern. Wem es nicht passt, kann mich ja sachlich widerlegen - oder ignorieren. Das dürfte erwachsenen Menschen wohl möglich sein. EOD.

@MartinH: Warum schäumst Du immer so?

jori @, Samstag, 15. Februar 2025, 19:54 (vor 572 Tagen) @ MartinH

Gibt es hier die Funktion ignorieren?

@MartinH: Warum schäumst Du immer so?

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Samstag, 15. Februar 2025, 21:59 (vor 572 Tagen) @ MartinH

Wo du doch selbst so talentiert darin bist, andere sachlich zu widerlegen.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MartinH, Donnerstag, 13. Februar 2025, 07:04 (vor 575 Tagen) @ Residual

Wenn es keinen Ausbildungsbedarf mehr gibt, sollten nicht nur Kirchenmusikschulen oder Kirchenmusikabteilungen an staatlichen MHS geschlossen werden, sondern es darf auch mal einen viel zu lang gepäppelten "Beamtennachwuchsstall" betreffen.

Völlig richtig!

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

MAT @, Donnerstag, 13. Februar 2025, 07:51 (vor 575 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

"Zudem fragt sich, was ein Theologe beruflich machen soll, wenn er seinen Arbeitsplatz als Pfarrer wie jeder andere verlieren kann."

Das ist jetzt nicht wirklich Dein Ernst, oder? Er macht das was jeder andere machen muss. Er geht zur Arbeitsagentur, beantragt Arbeitslosengeld, macht ggf. Umschulungen und sucht sich einen anderen Job, wie jeder andere auch.

--
Gruß
MAT

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

jens79, Donnerstag, 13. Februar 2025, 09:29 (vor 574 Tagen) @ MAT

"Zudem fragt sich, was ein Theologe beruflich machen soll, wenn er seinen Arbeitsplatz als Pfarrer wie jeder andere verlieren kann."

Das ist jetzt nicht wirklich Dein Ernst, oder? Er macht das was jeder andere machen muss. Er geht zur Arbeitsagentur, beantragt Arbeitslosengeld, macht ggf. Umschulungen und sucht sich einen anderen Job, wie jeder andere auch.

Vor gar nicht allzulanger Zeit gab es noch deutlich mehr Theologiestudenten als Pfarrstellen, viele wurden nach dem Vikariat und dem zweiten Examen nicht übernommen. Für die allermeisten war es nicht besonders schwer, in anderen Bereichen z.T. gut bezahlte Stellen zu finden.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Orlos @, Donnerstag, 13. Februar 2025, 18:54 (vor 574 Tagen) @ jens79

Die Schulen suchen händeringend Religionslehrer.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Donnerstag, 13. Februar 2025, 20:10 (vor 574 Tagen) @ jens79

Das ist, mit Verlaub, ziemlicher Unsinn. Was glaubst du, woher viele älteren "freien Theologen", die sich mit Trauerreden usw. durchbringen müssen, gekommen sind? Nicht wenige machen/machten auch als angestellte Pastorinnen und Pastoren (auch das gibt es ja schon längst) Ausputzerdienste auf Entlastungsstellen oder kamen dann später auf reguläre Stellen, allerdings ohne die Sicherheit ihrer anderen Kolleginnen und Kollegen.

Deren Erfahrungen haben dazu beigetragen, daß viele Jugendliche in den Gemeinden skeptisch wurden, ob der Pfarrberuf eine sinnvolle Wahl ist. Und das ist innerhalb der Kirchen eine offene Wunde. Keine Erfolgsgeschichte, von denen mal abgesehen, die in die Schweiz gegangen sind und den wenigen, die eine Karriere in der freien Wirtschaft gemacht haben.

Nicht zu vergessen: Die Nachwuchskrise, die sich jetzt in vollem Ausmaß zeigt, ist ja auch noch vor wenigen Jahren in den Kirchen vehement verleugnet worden. Man hat ja noch vor kurzem eher ausgesiebt als für den Beruf geworben.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

jens79, Donnerstag, 13. Februar 2025, 23:46 (vor 574 Tagen) @ Poupoulcorouse

Das ist, mit Verlaub, ziemlicher Unsinn. Was glaubst du, woher viele älteren "freien Theologen", die sich mit Trauerreden usw. durchbringen müssen, gekommen sind? Nicht wenige machen/machten auch als angestellte Pastorinnen und Pastoren (auch das gibt es ja schon längst) Ausputzerdienste auf Entlastungsstellen oder kamen dann später auf reguläre Stellen, allerdings ohne die Sicherheit ihrer anderen Kolleginnen und Kollegen.

Deren Erfahrungen haben dazu beigetragen, daß viele Jugendliche in den Gemeinden skeptisch wurden, ob der Pfarrberuf eine sinnvolle Wahl ist. Und das ist innerhalb der Kirchen eine offene Wunde. Keine Erfolgsgeschichte, von denen mal abgesehen, die in die Schweiz gegangen sind und den wenigen, die eine Karriere in der freien Wirtschaft gemacht haben.

Nicht zu vergessen: Die Nachwuchskrise, die sich jetzt in vollem Ausmaß zeigt, ist ja auch noch vor wenigen Jahren in den Kirchen vehement verleugnet worden. Man hat ja noch vor kurzem eher ausgesiebt als für den Beruf geworben.

Nun ich kenne halt nicht wenige Theologen, jetzt ungefähr 50 Jahre alt, die durchaus gute Stellen bei diakonischen Einrichtungen aller Art, Verlagen, Kultureinrichtungen, bei Beraterfirmen aller Art gefunden etc. haben. Eine gewisse Flexibilität natürlich vorausgesetzt.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Donnerstag, 13. Februar 2025, 23:56 (vor 574 Tagen) @ jens79

In diakonischen Einrichtungen sind aber auch viele gelandet, die aus diversen Gründen nicht in den Gemeindedienst wollten. Das hat nicht nur etwas mit dem "Überschuss" vor 20-30 Jahren zu tun.

Und ich kenne genug aus dieser Zeit, die aus der Zeit schwere Narben mit sich herumtragen. Und das waren oft theologisch nicht die Schlechtesten.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Orlos @, Freitag, 14. Februar 2025, 00:35 (vor 574 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von Orlos, Freitag, 14. Februar 2025, 01:45

"Und das waren oft theologisch nicht die Schlechtesten." Das ist ein schwieriger Satz. Nach 35 Jahren im kirchlichen Dienst fällt mir schwer zu sagen, was einen guten Pfarrer ausmacht. Ich habe nun schon oft theologische Kompetenz in wissenschaftlicher Hinsicht kennengelernt, dabei leider gepaart mit großen seelsorgerischen Defiziten. Die konnten eigentlich gar nicht mit Menschen arbeiten. Viele waren zudem als Gemeindeleiter (im Sinne einer Verwaltung und Organisiation) nicht nur überfordert, sondern völlig ungeeignet. Dann habe ich Pfarrer erlebt, die im persönlichen Gespräch unglaublich angenehm waren, tolle Seelsorger, hilfreiche Menschen, die aber nicht in der Lage waren, der Gemeinde irgendwelche Impulse zu geben, die Gemeinden sind geradezu eingegangen, "verstorben". Der Beruf ist im Grunde in all' seinen Facetten von niemandem vollständig auszufüllen. (Zur Zeit habe ich einen Chef, der wegen Burnouts in eine Klinik kam und dem dort bescheinigt wurde, für den Beruf des Pfarrers "überqualifiziert" zu sein. Lächerlich! Das geht gar nicht.)

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Freitag, 14. Februar 2025, 00:54 (vor 574 Tagen) @ Orlos

Was schiefgehen kann, weiß ich selbst. Ich wollte damit nur sagen, daß das beileibe nicht auf alle zutrifft, die damals durchs Raster gefallen sind.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

jens79, Freitag, 14. Februar 2025, 13:40 (vor 573 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von jens79, Samstag, 15. Februar 2025, 10:10

In diakonischen Einrichtungen sind aber auch viele gelandet, die aus diversen Gründen nicht in den Gemeindedienst wollten. Das hat nicht nur etwas mit dem "Überschuss" vor 20-30 Jahren zu tun.

Und ich kenne genug aus dieser Zeit, die aus der Zeit schwere Narben mit sich herumtragen. Und das waren oft theologisch nicht die Schlechtesten.

Natürlich hat es bei vielen, die von ihren Landeskirchen nicht übernommen wurden, und das in oft sehr unfreundlicher, gleichgültiger Weise, starke Verletzungen gegeben.
Und natürlich hat es schon immer welche gegeben,die nicht ins Pfarramt wollten und diese Tendenz hat sich bis heute verstärkt ind das bei den ohnehin schon sehr niedrigen Studentenzahlen.
Gleichwohl ist meine Beobachtung die, das vor 20 oder 30 Jahren die Berufsmöglichkeiten von nicht übernommenen Vikaren keineswegs schlecht waren.
Ich kenne auch Fälle, in denen das Landeskirchenamt (Rheinland) sich ein paar Jahre nach der Ablehnung gemeldet und recht gönnerhaft mitgeteilt hat, dass nun Stellen im Pfarrdienst frei seien, man möge doch, am besten zum nächsten ersten, kommen.

Erschreckend ist aber, dass auch damals trotz der aufwendigen, vielstufigen Auswahlverfahren immer wieder und keineswegs selten, Kandidaten ins Pfarramt kamen, die wirklich völlig ungeeignet waren.

OT: Ende der Verbeamtung von Geistlichen

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Freitag, 14. Februar 2025, 17:20 (vor 573 Tagen) @ jens79

Das ist leider wahr, passiert aber auch in vielen anderen Berufsgruppen.

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