Stellwagen 1938

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 01. Januar 2025, 20:53 (vor 617 Tagen)

2025 ist es 100 Jahre her, dass sich die Hamburg-Lübecker Organistentagung versammelte und anschickte, in der Orgelwelt heftig umzurühren.

Als in den 20er- und 30er-Jahren man sich der "alten" Orgel zuwandte, waren ja viele Instrumente nicht (mehr) spielbar oder stark verändert. Die Pilgerfahrten zu den vorhandenen Instrumenten begannen, ebenso wie die vermeintlich sie dem Originalzustand annähernden Restaurierungen.

Im letzten Lebensjahr der Totentanz-Orgel spielt Walter Kraft so, das Instrument hatte noch viele Reize der Vergangenheit, zu den Überarbeitungs-Resultaten gehört die veränderte Temperierung. Mitteltönigkeit, egal welche, wäre doch von wesentlicher Bedeutung.

Wir haben hier jüngst auch über Universalität im Orgelklang gesprochen, von Dispositionsfehlern in Rostock St. Marien war die Rede und mehr.

Als wir im Sommer hier über die herrliche Stellwagen-Orgel von Stralsund Marien sprachen, hatte ich gerade in Rostock Weckmanns Magnificat in der Mache für ein Konzert. Ich mag das Stück sehr, und da die Zungen noch hielten, machte ich eine kleine Aufnahme, um im Forum in die Diskussion über diese Klangwelt einzusteigen. Aber es verzögerte sich alles, und natürlich bleibt das Original wunderbar und unangefochten - im verlinkten Post wurde ja auf ein Video von Martin Rost hingewiesen.

Hier nun die Aufnahmen von Weckmanns Magnificat II. toni, mit Registrierungen und Anmerkungen. Es geht mir hier nicht um die Spielweise, sondern um die Sounds bzw. ihre Entstehung auf Basis von offiziell ungeeignetem Pfeifenmaterial - Zink, Kernstiche/Fußlochintonation etc. Bezugnehmend auf die sicherlich durch die erwähnte Tagung und eigene Schnitger-Erlebnisse geformten Klangvorstellungen des 1938 waltenden Disponenten Fritz Heitmann (Berlin) sehe ich meinen Versuch als ein Nachspüren jener Philosophie, der außerdem an dieser Orgel Spaß macht. Zwar hat Heitmann von den vorgefundenen Rahmenbedingungen ausgehend im Prinzip eine Universalorgel disponiert, sein Einweihungsprogramm verrät aber doch den Schwerpunkt Barock/Frühbarock.

Die Aufnahmen wurden schnell mal auf der Empore gemacht, dadurch etwas zu hoher Traktur-Geräuschanteil und der Bedarf leichter klanglicher Nachbearbeitung (sorry @MArtinH). Meine eigene "Sehnsucht" nach den mythischen Großorgeln der Hanse lässt mich durchgängig auf 16'-Basis spielen. Leider ist der Singend Cornett 2' im dritten Vers nicht dabei, vermutlich war er damals doch nicht gestimmt...
Reizvoll wäre ein Sample-Set von Rostock und dann diese Sounds in Mitteltönigkeit abzuspielen...

Legende zu den Buchstaben: S = Sauer 1938, VS = VEB Sauer 1983, B = Börger (Rostock-Gehlsdorf, zumindest gekauft), G = Giesecke (Einbau VEB Sauer)

Erster Vers

gespielt auf I (Pos.):
Gedeckt 8' 1983 S

Oktav 4' 1938 S

Dulcian 16' 1938 S

angekoppelt IV(SW)/I:
Prinzipal 8' 1907 B

Hohlflöte 8' 1907 B

Oktave 4' 1907 B

Progressio 3-4f. 1907 B
Hautbois 8' 1983 G

Pedal:
Gedecktbass 16' 1907 B Kleinpedal neu

Trompete 8' (1911? B?) Großpedal

Oktave 4' 1938 S Großpedal

angekoppelt Man. II(HW)/P:
Fagott 16' 1911 B
Scharff 4f. 1938 S

NB: Der c.f. des rechten Fußes wurde im Manual verdoppelt

Zweiter Vers

Begleitung, gespielt auf II(HW):

Quintadena 16' 1938 S


angekoppelt III(OW)/II: 

Prinzipal 8' 1938 S

Solo, gepielt auf I(Pos):

Gedeckt 8' 1983 VS
Blockflöte 4' 1938 S

Nasat 3' 1938 S (Kronwerk)
Nachthorn 2' 1938 S (Kronwerk)

Dulcian 16' 1938 S

Terz 1 3/5' 1938 S

Pedal:
Gedecktbass 16' 1907 B, Kleinpedal neu
Violon 16' 1910 B, Großpedal

Violoncello 8' 1907 B Kleinpedal alt

NB: Die im Solo genutzten Windladen von Pos. und KW sind in der Höhe 7 Meter voneinander entfernt

Dritter Vers

Manual gespielt auf II(HW):
Quintadena 16' 1938 S

Gemshorn 8' 1938 S


angekoppelt II(Pos)/I:

Quintadena 8' 1938 S

Pedal nur Koppel III(OW)/P: 

Trompete 8' 1911 B (urspr. 16')
Oktave 4' 1938 S
Schalmey 4' 1938 S (Doppelkegel)

Vierter Vers

Gespielt auf II(HW): 

Fagott 16' 1911 B


angekoppelt I(Pos)/II:

Oktave 4' 1938 S Diskant älter

Nasard 2 2/3' 1938 S (Kronwerk)

Oktave 2' 1938 S

Nachthorn 2' 1938 S (Kronwerk)

angekoppelt III(OW)/II:
Principal 8' 1938 S
Trompete 8' 1911 B (urspr. 16')

Schalmey 4' 1938 S (Doppelkegel)

Pedal:
Prinzipal 16' 1907 B Sonderlade

Gedecktbass 16' 1907 B Kleinpedal alt

Violon 16' 1910 B, Großpedal

Quintbass 10 2/3' 19. Jh? B?

Trompete 8' (1911? B?) Großpedal

Oktave 4' 1938 S Großopedal

angekoppelt II(HW)/P:

Fagott 16' 1911 B

angekoppelt IV(SW)/P:

Fagott 16' 1983 G


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