Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Niederrheiner
, Montag, 16. Dezember 2024, 09:16 (vor 633 Tagen)
Hallo zusammen,
aktuell hat die ARD auch einen interessanten Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium gemacht.
Der Film kommt am Mittwoch, den 18.12.2024 um 20:15 Uhr in der ARD und als Wiederholung dann am 19.12. um 03:10 Uhr
Der Film ist aber auch jetzt schon in der Mediathek abrufbar.
https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filme-im-ersten/sendung/bach-ein-weihnachtswu...
Viele Grüße
Michael
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Sweelinck, Montag, 16. Dezember 2024, 10:18 (vor 633 Tagen) @ Niederrheiner
Schöne Orgelkulisse für das Finale. Aber was hat da das Cembalo zu suchen? Gab es da eine Cembalostimme von Bach? Soviel ich weiß, gab es eine transponierte Stimme für die Orgel mit Ziffern. Und bei der Personalknappheit bei Bach würde mich eine doppelte Tastenbesetzung wundern.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Niederrheiner
, Montag, 16. Dezember 2024, 15:04 (vor 633 Tagen) @ Sweelinck
Ob Cembalo plus oder anstatt Orgel ist meines Wissens nach nie so eindeutig bei Bach zu klären. Ich vermute, dass das auch immer in Abhängigkeit der Verfügbarkeit der Musiker und Instrumente gehandhabt wurde. Beides dürfte damals eigentlich vorhanden gewesen sein und beides klingt meiner Meinung nach gut.
Aktuell gab es am 14. und 15.12. Aufführungen in der Düsseldorfer Johanneskirche, da gab es Cembalo und Thruenorgel.
Cembalo vom Dirigenten Abendroth bei den kammermusikalischen Arien direkt gespielt. Sonst sonst wurde dirigiert, was bei 130 Sängerinnen und Sängern, davon ca. 60 Kinder und Jugendlichen auch schon erforderlich ist.
Die Orgel bei meine ich allen Stücken (also auch denen mit Cembalo) von seinem Assistenten Constantin Scholl, beide Tastendrücker mit perfekter Ausführung.
Mir persönlich gefiel das sehr gut, bei den Arien gibt so ein Cembalo irgendwie immer sehr schönen Impuls und Silberglanz, gerade wenn der Cembalist auch der Dirigent ist und darüber die Agogik "geklärt" wird. Geht aber nur mit einem (kleinen) flexiblen Orchester, was bei dieser Aufführung sehr gut geklappt hat.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Niederrheiner
, Montag, 16. Dezember 2024, 15:07 (vor 633 Tagen) @ Niederrheiner
Da fällt mir noch ein Highlight zu dieser Frage aus den 80er Jahren in Aachen ein.
Matthäus-Passion, Orchester mit Instrumenten mit historischer Stimmung.
Beim Anspielen direkt vor der Aufführung wurde festgestellt, dass beide Orgelpositive auf 440 Hz gestimmt waren. Guter Rat teuer.
Eine Orgel wurde umgestimmt (ich meine sogar nur ein Register) und als Zweitinstrument ein Cembalo genommen und parallel nachgestimmt.
Sicher so keine historische Aufführungspraxis, aber sonst hätte sich die ja ohnehin schon etwas lange Aufführung noch weiter hinaus gezögert.
War trotzdem ein schönes Konzert.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Residual, Sonntag, 29. Dezember 2024, 09:32 (vor 620 Tagen) @ Niederrheiner
Da fällt mir noch ein Highlight zu dieser Frage aus den 80er Jahren in Aachen ein.
Matthäus-Passion, Orchester mit Instrumenten mit historischer Stimmung.
Beim Anspielen direkt vor der Aufführung wurde festgestellt, dass beide Orgelpositive auf 440 Hz gestimmt waren. Guter Rat teuer.
Eine Orgel wurde umgestimmt (ich meine sogar nur ein Register) und als Zweitinstrument ein Cembalo genommen und parallel nachgestimmt.
Sicher so keine historische Aufführungspraxis, aber sonst hätte sich die ja ohnehin schon etwas lange Aufführung noch weiter hinaus gezögert.
War trotzdem ein schönes Konzert.
Nur auf Kammerton 435 Hz herabgestimmt oder gar auf 415 Hz? Wenigstens reissen dabei keine Saiten wie möglicherweise beim Heraufstimmen. Aber bei der Länge der Matthäus-Passion werden bei voll besetzter Kirche einschließlich beider Orchester und großen Chören auf drangvoller Empore Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit so stark erhöht, dass schon für die letzten Arien des 1. Teils Nachstimmungen nötig werden, geschweige im 2. Teil. Im Schlusschor schweigt das verstimmte Cembalo besser, soll es nicht wie ein Western-Klavier bei PDQ Bach klingen.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Niederrheiner
, Sonntag, 29. Dezember 2024, 09:37 (vor 620 Tagen) @ Residual
Waren 415, allerdings war das Konzert im Eurogress, also unter recht konstanten Temperaturen.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Karsten
, Montag, 16. Dezember 2024, 16:40 (vor 633 Tagen) @ Sweelinck
bearbeitet von Karsten, Montag, 16. Dezember 2024, 17:39
Schöne Orgelkulisse für das Finale. Aber was hat da das Cembalo zu suchen? Gab es da eine Cembalostimme von Bach? Soviel ich weiß, gab es eine transponierte Stimme für die Orgel mit Ziffern. Und bei der Personalknappheit bei Bach würde mich eine doppelte Tastenbesetzung wundern.
Hallo!
Ich zitiere aus "Das Neue Bach-Lexikon" (Laaber, 2016), Artikel "Generalbass" (von Siegbert Rampe), S. 293f.:
"Das zweite wichtige Continuoinstrument in Bachs Kirchenmusik war [neben der Orgel] das Cembalo. Die über Jahrzehnte hinweg erbittert geführte Diskussion, ob in Bachs Kantaten, Oratorien und Passionen auch dieses Instrument erklingen soll, lässt sich mit dem schlichten Verweis darauf entscheiden, dass sich sowohl auf der Musikerempore der Weimarer Schlosskirche als auch auf den Emporen der Thomas- und Nikolaikirche in Leipzig Cembali befanden, die allwöchentlich gegen Honorar gestimmt und gewartet wurden, also genutzt worden sein müssen. Dass sie nur zu Proben dienten, ist unwahrscheinlich, weil man in diesem Fall keinen Kirchenraum benötigt hätte. Während für die Hauptorgel, die im Chorton stand, in Leipzig transponierte Continuostimmen angefertigt wurden, spielte das Cembalo nach einer Partie im Kammerton, die beziffert sein kann oder nicht. Denn von Bach blieben nur relativ wenige bezifferte Stimmen im Kammerton erhalten. Daraus ist zu schließen, dass gewöhnlich der Komponist selbst nach der Partitur oder einer seiner erfahrenen Schüler nach einer unbezifferten Stimme Cembalo spielten, so dass Cembalostimmen nur dann beziffert wurden, wenn ein Spieler die Zahlen unbedingt benötigte."
Gruß
Karsten
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Sweelinck, Montag, 16. Dezember 2024, 18:43 (vor 633 Tagen) @ Karsten
Arnold Schering behandelte schon früh die Frage mit den Cembali in den Leipziger Kirchen. Nach seiner Meinung wurden diese Instrumente bei den täglichen Chorauftritten der Wochenkantoreien im Morgengottesdienst als Begleitinstrument benutzt. Die Chorbücher der Thomaner, das Florilegium Portense, hätten ein Stimmbuch mit beziffertem Bass gehabt. Bach, der Organist und die Kalkanten lagen bei den Frühgottesdiensten wohl noch in den Federn oder beim Morgenbier. Das haben die Jungs mit dem Präfekten gemacht. Hier https://s9.imslp.org/files/imglnks/usimg/a/ab/IMSLP490849-PMLP794762-bodenschatz_floril... einsehbar. Das Cembalo brauchte keinen Bälgetreter. In Kantaten wäre das Cembalo nur in Ausnahmefällen zum Einsatz gekommen.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
kirnberger, Sonntag, 29. Dezember 2024, 23:39 (vor 620 Tagen) @ Sweelinck
Die in imslp.org überlieferten autographen Stimmen bringen die Orgel beziffert in C, also vermutlich in a-465 Hz, klingend modern in Db, entsprechend den originalen Orchesterstimmen in a=415 Hz. Dies sichert die Mitwirkung der transponierten Orgel. Das Cembalo wird nicht genannt, es gibt augenscheinlich keine autographe Stimme u d keine autographe Partitur. Das verunwahrscheinlicht die Mitwirkung des Cembalo, schließt sie aber nicht aus.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Willscher, Montag, 16. Dezember 2024, 11:37 (vor 633 Tagen) @ Niederrheiner
Wobei er nie ein Weihnachtsoratorium komponiert hat. Sondern verschiedene Kantaten zur Weihnachtszeit. Das sollte sich doch inzwischen rumgesprochen haben. Letztendlich alles eine Marketing-Frage.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
jens79, Montag, 16. Dezember 2024, 12:52 (vor 633 Tagen) @ Willscher
Wobei er nie ein Weihnachtsoratorium komponiert hat. Sondern verschiedene Kantaten zur Weihnachtszeit. Das sollte sich doch inzwischen rumgesprochen haben. Letztendlich alles eine Marketing-Frage.
Diese Kantaten hat er aber selbst als Oratorium bezeichnet und zusammengefasst, insofern stammt das Marketing von ihm:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bb/BWV_248_Libretto.JPG
Auch das sollte sich herumgesprochen haben.
Interessant ist allerdings die Rezeptionsgeschichte. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war das WO keineswegs so berühmt wie heute und wurde auch nur selten aufgeführt (was zum Teil auch an den Trompetenstimmen lag), Es galt auch als zu lang und die Arien zum Teil zu spröde. So dass empfohlen wurde nur ausgewählte Chöre und Arien aufzuführen.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Violonbass
, Montag, 16. Dezember 2024, 13:31 (vor 633 Tagen) @ Willscher
Michael Maul weist darauf hin, dass ein von Bach autorisiertes gedrucktes Textbuch zu den Aufführungen der 6 Kantaten 1734 den Titel "Oratorium" trägt und dass die Kantaten von Bach auch als Gesamtwerk konzipiert sind (fortlaufende Handlung, Evangelientext usw.).
Von dieser Tatsache abgesehen: Der Film will offenbar keine historisch getreue Darstellung der Entstehungsgeschichte und der Familiensituation der Bache liefern, und als Spielfilm nutzt er dramaturgische Mittel und Zuspitzungen, um die Handlung "spannend" zu machen. Aber viele Leute werden sich den Film ansehen, und hoffentlich vielen davon wird Bach und seine Musik dadurch ein Stück näher kommen.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
jens79, Montag, 16. Dezember 2024, 14:07 (vor 633 Tagen) @ Violonbass
Michael Maul weist darauf hin, dass ein von Bach autorisiertes gedrucktes Textbuch zu den Aufführungen der 6 Kantaten 1734 den Titel "Oratorium" trägt und dass die Kantaten von Bach auch als Gesamtwerk konzipiert sind (fortlaufende Handlung, Evangelientext usw.).
Auch im Autograph bezeichnet er es als Oratorium: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/85/BWV_248_Autograph.jpg
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Friedrich
, Montag, 16. Dezember 2024, 13:58 (vor 633 Tagen) @ Willscher
Wobei er nie ein Weihnachtsoratorium komponiert hat. Sondern verschiedene Kantaten zur Weihnachtszeit. Das sollte sich doch inzwischen rumgesprochen haben. Letztendlich alles eine Marketing-Frage.
Ooh, Andreas. Channelst Du den inneren Friedrich Smend?
Aber klar, es ist kein Händel-Roman nicht. Sondern kommt in praktischen Häppchen.
Herzliche Grüße
Friedrich
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Florian-L
, Mittwoch, 18. Dezember 2024, 21:21 (vor 631 Tagen) @ Niederrheiner
bearbeitet von Florian-L, Mittwoch, 18. Dezember 2024, 21:29
Der Bach-Darsteller am viermanualigen Spielschrank der Ladegastorgel von 1855 im Merseburger Dom... :-D
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
hardy
, Mittwoch, 18. Dezember 2024, 22:57 (vor 631 Tagen) @ Florian-L
Ja, aber wenigstens ein Barock-Gehäuse.
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
Dorforganist, Donnerstag, 19. Dezember 2024, 08:51 (vor 630 Tagen) @ hardy
Ja, aber wenigstens ein Barock-Gehäuse.
...mit nachgedunkelten Prospektpfeifen. Ob die für die Aufnahmen ausgetauscht oder nur mit Bildbearbeitung verändert wurden?
Film zu Bach und seinem Weihnachtsoratorium
friedemannw
, Gießen, Donnerstag, 19. Dezember 2024, 10:26 (vor 630 Tagen) @ Dorforganist
Wieso nachgedunkelt? Die sind alt und haben die entsprechende Patina.
Film zu Bach _ Ladegast Merseburg
jori
, Donnerstag, 19. Dezember 2024, 17:07 (vor 630 Tagen) @ friedemannw
Ganz neu! Bei YouTube wird die Geschichte der Ladegast-Orgel vorgestellt.
https://youtu.be/rCOY8Odqkt0?si=wpWCZxpehP4Gk8zf