Rockig und sphärisch (?)
Beitrag auf NDR über experimentelle Klänge aus dem Labor von Franz Danksagmüller
Der NDR-Beitrag ist erträglicher als der Print/Online-Beitrag der Lübecker Nachrichten, jener noch ergänzt durch ein kurzes Video, welches der Veranstaltung und dem Projekt auch kaum dienlich ist. Morgen bin ich wieder an der Hochschule und frage mal nach, wie es den Studierenden selbst mit dem Konzert und seiner Rezeption ging.
Was für die breite Leser- und Hörerschaft übrigbleibt, ist: In Lübeck machen die Rock auf der Orgel und wollen das veraltete Instrument entstauben.
Gerade hier im Forum weiß man, wie blöd so eine Aussage bzw. Empfindung ist.
Die Rockfans finden es nur lächerlich, andere sagen: Mache ich schon seit 40 Jahren! Wieder andere finden ein neues Mosaiksteinchen für den Untergang des Abendlandes, insbesondere Steuerzahler aus S-H, die vorhaben, sich aus der Nordkirche zu entfernen oder es schon getan haben. (Kirchensteuergeld ist in Lübeck aber nicht involviert).
Franz Danksagmüller hat seine ersten Schritte im Bereich Addition von Elektronik zur Orgel an der wunderbaren Metzler im Dom St. Pölten gemacht. Nun, der dortige Dom ist einfach eine barocke Stadtkirche wie sie in Bayern und B-W 150mal steht. Aber der DKM war sehr offen für Neues (konnte auch gut das Alte), ebenso der Dompfarrer.
So entstand über Jahre (1999-2005) eine entsprechende Praxis, und zwar innerhalb (!) der normalen Gottesdienste. (Auch heute noch hält die dortige Dommusik zumindest für österreichische Verhältnisse ein hohes Niveau)
Das Lübecker Fach IKN (Improvisation, Komposition und Neue Medien) versucht, etwas weitergehend als anderswo nur Kirchliche Komposition oder Improvisation das Schaffen aktualisierter Musik, gerade auch in Verbindung mit Wort und Text, ggf. auch Bild und bildender Kunst, Tanz... FÜR DEN GOTTESDIENST, mindestens aber den kirchlichen Raum bzw. spirituelle Formate zu entwickeln.
Nun, geht jemand, insbesondere jemand von der Presse, in einen normalen Orgel-Klassenabend einer ambitionierteren Kimu-Ausbildung, wird er sich auch fragen, ob der dicke Reger, die Bach-Passacaglia oder Steigleders VU-Variationen für den "normalen" GD gedacht sein sollen. Nun, auf jeden Fall, wir wissen das ja, handelt es sich bei diesen Programmen um Etüden im besten Sinne - die Studierenden präsentieren ihr organistisches Kunsthandwerk. Der geschmackvolle Einsatz ihrer Fähigkeiten in der späteren Praxis obliegt ihnen dann selbst.
Ähnlich kann man das hier sehen. Leider lenken solche Berichte wie die beiden den Blick auf Emerson, Lake & Palmer bzw. Progressive Rock, vielleicht auch noch Stummfilme. Aber eigentlich geht es um mehr.
Das eigentliche Veranstaltungsprogramm (siehe unten) liest sich dann schon mal etwas anders - zumindest wie das eines Orgel-Klassenabends. Spirituelle Aspekte sind allerdings noch nicht greifbar, jedenfalls nicht an der Oberfläche.
Die Lehrveranstaltung IKN ist in Lübeck Teil des Masters KiMu. Sicher, einer der vielen Versuche, ein Alleinstellungsmerkmal unter den Instituten im Wettstreit um neue Studierende zu bilden. Aber hier, wie wohl auch anderso, mit Überzeugung. Und leider nötig, denn die Meldungen, dass ein Semester nahezu oder ganz ohne Neuaufnahme beginnt, hören nicht auf.
Die Eröffnungsmusik zum Symposium im Oktober vor einem Jahr, das war schon eindrucksvoll. Ein studentisches Ensemble, studentisch komponiert, ökonomischer Einsatz von Mitteln, und doch auf den Punkt geschneidert zu den Inhalten der Veranstaltung.
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- Rockig und sphärisch (?) -
fluteceleste,
10.12.2024, 21:57
- Rockig und sphärisch (?) - Karl-Bernhardin Kropf, 11.12.2024, 12:22