Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 27. November 2024, 10:01 (vor 653 Tagen)
ich mache mal einen neuen Faden auf. Gruß Fluteceleste
Neulich hatte ich mich mit Reiner Janke über Schwebungen unterhalten. Nach seiner Auffassung sollte das Schwebungsregister keinesfalls dem Basisregister zu ähnlich sein, schon gar keine Kopie. Stattdessen sollte es weniger charakteristisch und zurückhaltender intoniert sein, da es lediglich die Aufgabe hat, die akustische Schwebung herbeizuführen. Die eigentliche Klangfarbe wird vom Basisregister bestimmt. Dies ermöglicht dann auch ein gutes Zusammenspiel mit anderen Basisregistern.
Gruß, Lothar
Der Meister spricht.... :-)
Frage an die OB-Insider: Was ist die Lehrmeinung? Und was ist der Befund bei den Großen, z. B. Walcker, Sauer, ACC?
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
flutceleste-Admin, Mittwoch, 27. November 2024, 10:04 (vor 653 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von flutceleste-Admin, Mittwoch, 27. November 2024, 10:20
ich habe mal einen neuen Faden aufgemacht.
Was mir zu den "alten" also originalen Instrumenten (zB so 1900-1930) auffiel: Oft gab es eine zarte Aeoline im Schwellwerk, die dann eine genau passende Vox coelestis als Partner hatte. Da konnte man nicht viel anderes damit kombinieren, vielleicht noch eine ganz leise FLöte, aber das war es dann schon.
@MCVL war es bei Späth nicht auch so?
In England / USA dagegen schon die Neigung zu mehreren Schwebungsregistern, zB. einer schneidenden Viole d'Orchestre, da war der Schwebungschor natürlich auch nicht so leise.
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
HARP64, Mittwoch, 27. November 2024, 14:33 (vor 653 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Interessant fände ich bei den vergleichenden Schwebungs-Studien auch die Tatsache, dass es auch vom Orgelbauer „vorgesetzte“ Kombinationen geben kann: so kann an einer Orgel in meiner Nähe die Voix céleste nicht von der Aeoline getrennt gezogen werden, erstere ist demnach streng genommen V.c. 2fach. Schade manchmal, denn gerne verwende ich die zarte Streicherschwebung auch mal mit einem Gedackt zusammen, ergibt so eine passable Unda maris.
Kommt gut alle in den Advent!
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 27. November 2024, 14:59 (vor 653 Tagen) @ HARP64
Interessant fände ich bei den vergleichenden Schwebungs-Studien auch die Tatsache, dass es auch vom Orgelbauer „vorgesetzte“ Kombinationen geben kann: so kann an einer Orgel in meiner Nähe die Voix céleste nicht von der Aeoline getrennt gezogen werden, erstere ist demnach streng genommen V.c. 2fach. Schade manchmal, denn gerne verwende ich die zarte Streicherschwebung auch mal mit einem Gedackt zusammen, ergibt so eine passable Unda maris.
Kommt gut alle in den Advent!
Danke, gleichfalls! Und: Stimmt schon, ist gut gemeint, damit Unkundige nicht die Schwebung allein spielen und sagen, die Orgel wäre verstimmt und außerdem gehen 12 Pfeifen nicht... Aber ich finde es auch etwas übergriffig. Der Einsatz eines Lötkolbens oder einer Kombizange könnte bei älteren Spieltisch-Modellen abhelfen?
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
kjz1, Mittwoch, 27. November 2024, 14:42 (vor 653 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Was ich bei unserer Orgel auch bisher nicht verstanden habe: da gibt es eine Unda maris und eine Harmonia aetheria III-V auf Hochdruck. Beide Register würde ich eher zu den leiseren zählen, aber dann auf Hochdruck?
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
Orlos
, Mittwoch, 27. November 2024, 15:25 (vor 653 Tagen) @ kjz1
Die Unda maris ist oft die starke Schwebung, wenn es in der Orgel noch eine zweite gibt.
Rieger intoniert die Unda maris gern möglichst neutral, dann funktioniert sie zusammen mit dem Streicher, der Flöte und sogar dem Prinzipal (z. B. Essen, Dom).
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
fluteceleste
, Mittwoch, 27. November 2024, 17:08 (vor 653 Tagen) @ Orlos
ich kenne Unda maris als weichere, zT auch flötige Schwebung,manchmal als Paar mit Salicional zB im Positiv, und Gambe/Vox coelestis dann etwas "schneidiger" im SW/ Recit.
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Mittwoch, 27. November 2024, 19:00 (vor 653 Tagen) @ fluteceleste
ich kenne Unda maris als weichere, zT auch flötige Schwebung,manchmal als Paar mit Salicional zB im Positiv, und Gambe/Vox coelestis dann etwas "schneidiger" im SW/ Recit.
So kenn ich's eigentlich auch!
Zum Anfagspost über die Dominanz der Klangfarbe des Basisregisters: Bei dieser 1975er Eisenbarth (fluteceleste wird bereits ohne auf den Link zu klicken wissen welche ich meine) wurde die Gambe 8' des Schwellwerks zu einem späteren Zeitpunkt zur schwebenden Voix d'anges 8' umbenannt und umgestimmt.
Als klassische Basisregister hat man nun keinen wirklichen Streicher zur Auswahl (die sonst obligatorische Gambe IST ja schon die Schwebung), sondern eine Hohlflöte 8' sowie einen Singend Prinzipal 8'. Obwohl letzterer alleine nur einen feinen Strich besitzt, ergibt sich zusammen mit der Voix d'Anges eine streichende, etwas schneidigere "Vox coelestis", während man mit der Hohlflöte zusammen den weicheren Unda-maris-Klang (wenn auch über- statt unterschwebend) bekommt.
Sonst finde ich den Klang der Orgel leider etwas kühl und nüchtern für diese neugotische Kathedrale. Dennoch sei das auf OI verlinkte Improvideo von Thomas Renner sehr empfohlen. Eigentlich müsste das Instrument der nur 600 m entfernt gelegenen Nachbarkirche hinter den schönen Prospekt - da käme dann etwas Saint-Eustache-Atmosphäre auf.
Schwebungen, war: Hedwigskathedrale Berlin
Marco Ellmer, Mittwoch, 27. November 2024, 19:09 (vor 653 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
In einem meiner derzeitigen Intonationsprojekte (Düsseldorf-Derendorf) gibt es 4 Schwebungen in der Orgelanlage.
Im Schwellpositiv (II) eine Unda maris 8‘ (Bauform Koppelflöte) die mit der Flöte 8‘ 5 HZ tiefer schwebt und auch mit dem Holzprincipal 8‘ funktioniert. Mit der direkt dahinter stehenden Rohrflöte 8‘ leider nicht. Hier gibt es geometrische Interferenzen.
Im Schwellwerk (III) gibt es die Vox coelestis 8‘. Diese schwebt 4 HZ höher und kann mit Gambe 8‘, Holzflöte 8‘ und Praestant 8‘ genutzt werden. In Kombination mit Gambe 8‘ und Violine 4‘ Plus Oktavkoppeln ergibt das einen ganz tollen Streicherwald.
Im Schwellwerk der Altarorgel Süd ist eine Principalschwebung. Klanglich Richtung Geigenprincipal mit breiten Expressionen.
Sie schwebt mit Salicional 8‘, Gemshorn 8‘ und Holzprincipal 8‘ und ist 3 HZ tiefer gestimmt. Sie ist die ruhigste bzw. langsamste Schwebung. Im Hauptwerk der Altarorgel Süd ist eine Flötenschwebung 8‘ (enge Mensur, leichter Strich). Bei ihr bin ich noch nicht angelangt, aber diese wird die „schnellste“ Schwebung werden und höherschwebend.
Ich bin gespannt wenn alle zusammen schweben und der ganze Raum in allen Ecken von Streichern erfüllt ist. Alle Schwellwerke gehen langsam auf und unten grummelt der Untersatz 32‘ dazu :-)
Derendorf, war: Schwebungen
fluteceleste
, Mittwoch, 27. November 2024, 19:29 (vor 653 Tagen) @ Marco Ellmer
bearbeitet von fluteceleste, Mittwoch, 27. November 2024, 19:38
Hallo Marco,
Danke für den "Vorgeschmack". Hinter "Derendorf" verbirgt sich übrigens ein tolles Projekt für eine Orgelanlage, welche nicht weniger als 62 Register aus der ehemaligen Orgel von St. Paul in Köln integriert. Das ganze verdient eigentlich einen eigenen Fred.. :-) Gibts schon eine Disposition dazu?
Gruß
Stefan
Derendorf, war: Schwebungen
Marco Ellmer, Mittwoch, 27. November 2024, 20:12 (vor 653 Tagen) @ fluteceleste
![[image]](images/uploaded/2024112719103667476eac5c676.jpg)
Natürlich gibt es eine Disposition. Insgesamt werden es 106 Register. Da aber noch nicht alles final ist, schreibe ich erst was dazu wenn es mit allen Beteiligten abgestimmt worden ist. Hier bitte ich um Verständnis.