Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 03. November 2024, 15:47 (vor 676 Tagen)

Liebes Forum,

lange erwartet und aufwendig zubereitet, hier nun die Ergebnisse des Wettbewerbs. Wer 23 Minuten Zeit hat, wird sich vielleicht des Videos erfreuen. Von 04:28 bis 05:12 gibt's ein Wiedersehen mit unserem "Pollrich" und der Traktur - Electric Action in action!

Wie immer bei Beiträgen mit hohem Gesprächs- und Fettnapf-Potential sei auch hier der traditionelle Autoren-Eröffnungsspruch gesagt:

Feuer frei!

https://marienorgel-rostock.de/wettbewerb/

Für "organ" 4/24 ist ein kurzer Beitrag geplant. Dort wird es weniger um die Ergebnisse als um das Verfahren gehen. Zum Thema "Planungswettbewerb im Orgelbau" wäre ich nun also in gewissem Ausmaß auskunftsfähig. Und kann sagen, dass es noch ein etwas fremdes Werkzeug ist, sowohl für Ausschreiber als auch Teilnehmer. Für Projekte mit ähnlichem Umfang und komplexen Fragestellungen, die eine einfache Zielbeschreibung verhindern, ist es definitiv ein sinnvolles Verfahren.

Wie anderswo schon gesagt, wird für das große Projekt in der Kathedrale von Bordeaux das sogenannte "Kooperative Verfahren" benutzt, auch dies ist bei derselben Ausgangslage eine Option. Mir scheinen die Unterschiede relativ gering. Die Entwicklung der Teilnehmerbeiträge kann durch den längeren Austausch mit dem Ausschreiber von diesem besser beeinflusst werden, was die planerischen Aufwendungen effizienter machen dürfte, weil nicht erst zu einem Einsendeschluss bzw. danach einem Teilnehmer mitgeteilt werden muss, dass er die Zielvorstellungen, soweit vorhanden, doch stark verfehlt hat.

In unserem Fall war dafür die Auslobung sehr detailliert, und den Ortsterminen wurde von Teilnehmer- und Ausloberseite viel Sorgfalt gewidmet. Dass die Ergebnisse nun trotzdem teilweise kontrovers ausfielen, finde ich einen Erfolg - zeigt es doch einerseits das Selbstvertrauen der Teilnehmer, und andererseits, dass vieles eben nicht objektiviert werden kann wie bei einer Sportveranstaltung. Das Lesen aller drei Konzepte macht Freude und lässt träumen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit der drei Konzepte für eine Umsetzung unterschiedlich hoch ist. Aber, wie auch im Film betont wird: Wir sind weiter auf dem Weg, nichts ist unterschrieben, alles ist unverbindlicher Vorschlag, wenn auch hoch reflektiert.

Besonders froh bin ich, dass alle Spinnereien der Auslobung als machbar eingestuft wurden - jedes Unternehmen hat die Herausforderung angenommen, die Lösungen sind unterschiedlich. Es war unter den einzelnen Elementen ja auch nichts dabei, was es nicht schon woanders gäbe. Die Zusammenführung in diesem Projekt wäre aber eine Novität.

So viel für das erste Posting.

NB: Die Teilnehmer bekamen die Möglichkeit, die Online-Präsentation vorab zu prüfen. Es hat mich keine Kritik erreicht - ich hoffe, dass das so bleibt und es nicht nur daran lag, dass die Zeit zu kurz war.

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

MartinH, Sonntag, 03. November 2024, 17:22 (vor 676 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von MartinH, Sonntag, 03. November 2024, 17:29

Mit Feuer kann ich nicht dienen. So viel informierte und ernstgenommene Öffentlichkeit und breiten Sachverstand (abseits des örtlich zuständigen OSV und Kantors) wünschte man sich auch anderswo. Ich glaube z.B. nicht, dass das z.B. in Dortmund auch nur ansatzweise der Fall war.

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

MAT @, Sonntag, 03. November 2024, 22:38 (vor 676 Tagen) @ MartinH

Jetzt sind wir aber in Rostock, und es wäre nett, wenn dieser Faden thematisch da bliebe.

--
Gruß
MAT

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Große Pfeife @, Sonntag, 03. November 2024, 23:14 (vor 676 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Lieber KBK,

ganz herzlichen Dank für den Bericht! Ich habe mit Interesse und Freude Bericht und Dokumente inhaliert. Ich kann alles nachvollziehen, was Du gesagt hast - am vergangenen Mittwoch war ich Mitglied eines Preisgerichtes, dass ein neues Feuerwehrhaus über einen Architektenwettbewerb gefunden hat. Es gab so viele interessante Ideen, wir hatten 11 Entwürfe, und am Ende waren wir uns tatsächlich einig, wer der für uns Passendste ist. Das war zu Beginn nicht so! Viele Fragen haben wir auch gestellt: Passt das für die Aufgabe? Zu uns? Bezahlbar? Zukunftsfest? Gut zu unterhalten?
Letztlich haben wir gesucht, was zu uns passt und glauben es gefunden zu haben. (Müsste Dich fragen, ob Du eine Einweihungsfanfare komponieren könntest !)
Ich für mich kann eure Entscheidung absolut nachvollziehen. Wir hatten hier tatsächlich auf einem anderen Feld ähnliche Leitgedanken. Möge beiden Projekten Erfolg, Glanz und Langlebigkeit innewohnen!

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

hintersatz ⌂ @, Sonntag, 03. November 2024, 23:34 (vor 676 Tagen) @ Große Pfeife
bearbeitet von hintersatz, Sonntag, 03. November 2024, 23:43

Bei all eurem Glanz und Jubel ist euch schon klar, dass das eine Kemper ist, die da mit viel Geld renoviert wird und wahrscheinlich und im günstigen Fall 3x schlechter klingt, als die Kölner Domorgel??
Was hier aus dem Innenraum bisher gepostet wurde, lässt es einen gruseln, wenn man den qualitativen süddeutschen Orgelbau kennt. Selbst Klais hat hier im Münster oder anderswo nicht solchen Schrott abgeliefert.
Würde vorschlagen, wir entzünden kurz eine Räucherkerze, gehen in uns und stellen fest, das dieses Projekt a) keinen Sinn macht b) Niemand bezahlen will und c) Keine Zielgruppe, Früher nannte man die +Gemeinde+ hat.

--
Organiste titulaire de l'Opus diaboli

war: Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 04. November 2024, 09:59 (vor 675 Tagen) @ hintersatz
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Montag, 04. November 2024, 10:14

Bei all eurem Glanz und Jubel ist euch schon klar, dass das eine Kemper ist, die da mit viel Geld renoviert wird und wahrscheinlich und im günstigen Fall 3x schlechter klingt, als die Kölner Domorgel??
Was hier aus dem Innenraum bisher gepostet wurde, lässt es einen gruseln, wenn man den qualitativen süddeutschen Orgelbau kennt. Selbst Klais hat hier im Münster oder anderswo nicht solchen Schrott abgeliefert.
Würde vorschlagen, wir entzünden kurz eine Räucherkerze, gehen in uns und stellen fest, das dieses Projekt a) keinen Sinn macht b) Niemand bezahlen will und c) Keine Zielgruppe, Früher nannte man die +Gemeinde+ hat.

Sprichst du wieder mal vom Schuttertal? Kemper? Köln? Koks? Die Räucherkerze scheint schon zu brennen, aber was ist drin? Und - ist sie die einzige Lichtquelle?

war: Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

hintersatz ⌂ @, Mittwoch, 06. November 2024, 08:37 (vor 674 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von hintersatz, Mittwoch, 06. November 2024, 08:41

Da im hohen Norden ist es ja meist recht neblig,da kann man schon mal die Orientierung verlieren. Und der nächste Hasi, der mir im Nebel oder wo auch immer einen Drogenkonsum unterstellt, fliegt hier a)raus und kriegt f)röhliche Post. Nur so als k)ichenmusikalische Anmerkung zum Projekt.
Interessant auch das du zum Thema Gemeinde nix gegiftelt hast. Du Zwerg.

--
Organiste titulaire de l'Opus diaboli

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Contrebasson 32' @, Wien, Montag, 04. November 2024, 12:38 (vor 675 Tagen) @ hintersatz

Man sollte Lübeck und Rostock nicht verwechseln^^

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

JRorgel @, Montag, 04. November 2024, 17:25 (vor 675 Tagen) @ hintersatz

Es ist schon klar, dass in Rostock eine Sauer-Orgel von 1938, oder?

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Karsten @, Sonntag, 03. November 2024, 23:27 (vor 676 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hallo!

Auch von mir herzlichen Dank für die Offenheit, aber vor allem auch Umsichtigkeit und Weitsicht, mit der Du "dein" Projekt voranbringst.
Kann man nun nur wünschen, dass die nächsten Schritte - finanziell gesichert - zügig gegangen werden können.

Gruß
Karsten

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Contrebasson 32' @, Wien, Montag, 04. November 2024, 13:14 (vor 675 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Contrebasson 32', Montag, 04. November 2024, 13:52

Erst einmal vielen Dank für die Transparenz und die interssanten Diskussionen zu deinem Projekt, die uns ja inzwischen schon seit mehreren Jahren hier im Forum begleiten. Ich glaube, dass es dafür Mut und ein stabiles Rückgrat sowie ein gesundes Selbstbewusstsein braucht. Das empfinde ich als äußerst wertvoll.

Nun hätte ein weitere Beitrag mit Applaus und Zustimmung aber wenig Wert, weshalb ich an dieser Stelle den advocatus diaboli spielen und - in aller unreichenden Kürze - folgende Gedanken in den Raum stellen möchte:

  • Die Ausschreibung (wie auch im jüngsten Video erlebbar) ist von einem Kulturpessimismus getragen: es soll eine vollmechanische Kernorgel gebaut werden, weil man nicht davon überzeugt ist, dass es in ein paar Jahrzehnten eine Gemeinde bzw. finanzielle Mittel gibt, um etwaige Reperaturen oder Ertüchtigungen der Elektronik durchführen zu können.
  • Beschränkungen erzwingen im besten Fall das Gehen jenseits ausgetretener Pfade. Manchmal nehmen Beschränkungen aber auch die Luft zum Atmen und schränken den Raum für Kreativität stark ein.
  • Klais ist erstplatziert, weil sie am ehesten den Ausschreibungstext umgesetzt und innerhalb der gesetzten Grenzen geblieben sind. Das heißt aber nicht, dass sie die optimale oder kreativste Lösung für Raum und Substanz gefunden haben. Insgesamt wirkt der Klais'sche Entwurf sehr konservativ und brav.
  • Der Entwurf von namentlich Rieger wirkt auf mich insgesamt runder und kreativer. Auch der Erhalt des meisten Materials hat für mich einen großen Charme - obwohl in meiner Brust das Herz eines Rheinländers schlägt.
  • Entsprechend bleibt die provokative Frage: Lässt sich die Kommission eines besseren belehren oder bleibt sie (mit wahrscheinlich guten und berechtigen Gründen) der Ansicht, dass sich ihre in die Ausschreibung gegossenen Überzeugungen - und damit der klais'sche Entwurf - in der Praxis eher bewähren und eine größere Nachhaltigkeit erreichen werden.

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 04. November 2024, 13:59 (vor 675 Tagen) @ Contrebasson 32'

Erst einmal vielen Dank für die Transparenz und die interssanten Diskussionen zu deinem Projekt, die uns ja inzwischen schon seit mehreren Jahren hier im Forum begleiten. Ich glaube, dass es dafür Mut und ein stabiles Rückgrat sowie ein gesundes Selbstbewusstsein braucht. Das empfinde ich als äußerst wertvoll.

Nun hätte ein weitere Beitrag mit Applaus und Zustimmung aber wenig Wert, weshalb ich an dieser Stelle den advocatus diaboli spielen und - in aller unreichenden Kürze - folgende Gedanken in den Raum stellen möchte:

  • Die Ausschreibung (wie auch im jüngsten Video erlebbar) ist von einem Kulturpessimismus getragen: es soll eine vollmechanische Kernorgel gebaut werden, weil man nicht davon überzeugt ist, dass es in ein paar Jahrzehnten eine Gemeinde bzw. finanzielle Mittel gibt, um etwaige Reperaturen oder Ertüchtigungen der Elektronik durchführen zu können.
  • Beschränkungen erzwingen im besten Fall das Gehen jenseits ausgetretener Pfade. Manchmal nehmen Beschränkungen aber auch die Luft zum Atmen und schränken den Raum für Kreativität stark ein.
  • Klais ist erstplatziert, weil sie am ehesten den Ausschreibungstext umgesetzt und innerhalb der gesetzten Grenzen geblieben sind. Das heißt aber nicht, dass sie die optimale oder kreativste Lösung für Raum und Substanz gefunden haben. Insgesamt wirkt der Klais'sche Entwurf sehr konservativ und brav.
  • Der Entwurf von namentlich Rieger wirkt auf mich insgesamt runder und kreativer. Auch der Erhalt des meisten Materials hat für mich einen großen Charme - obwohl in meiner Brust das Herz eines Rheinländers schlägt.
  • Entsprechend bleibt die provokative Frage: Lässt sich die Kommission eines besseren belehren oder bleibt sie (mit wahrscheinlich guten und berechtigen Gründen) der Ansicht, dass sich ihre in die Ausschreibung gegossenen Überzeugungen - und damit der klais'sche Entwurf - in der Praxis eher bewähren werden und eine größere Nachhaltigkeit erreichen werden.

Da ich jetzt eine veränderte Rolle habe (nicht mehr Wettbewerbsleiter) und meine Objektivität wieder ein wenig runterfahren kann zugunsten der Position eines Auftraggebers, sage ich:
Gut erkannt!

Ich will jetzt nicht schreiben: vier mal ja, ein mal "mal sehen" ,das wäre zu schwarz-weiß, aber - ich kann das gut lesen.
Das Video ist erkennbar nicht gescriptet, ich habe es in zwei Durchgängen im Abstand einer Woche aufgenommen. (Von der erstenSession sind einige Sätze als Ton am Ende dabei, denn das Bild war natürlich ziemlich anders). Aber es ist jedes Wort sehr überlegt, vorsichtig, und - da hast Du mich richtig erkannt - vielleicht auch zu vorsichtig.

Der Kulturpessisimus ist da, sicher. Ja, die Verhältnisse in Rostock sind schwierig, anderswo auch, aber es ist hier nicht Leipzig oder Dresden.
Aber was nich hier nährt, ist einerseits der völlig kooperative Kirchengemeinderat, der sich auch grade um meinen Stellenerhalt kümmert, und sind eben die ungefähr 380 Emporen-Gäste jedes Jahr, die eben dankbar bis begeistert die Empore verlassen, nachdem sie am und im Instrument gewesen sind. (einige auch beim Pollrich ;-)
Natürlich laseen die kaum Geld da und haben auch keine Tips, aber eine "schön wär's schon"-Stimmung erzeugen wir hier immer.

In unsere Gemeinde zieht gerade professionelles Fundraising ein, schauen wir mal, ob es mittelfristig dem Kulturpessimismus abhilft.

Und die Frage der HO-Traktur: Es ist ein Heidenaufwand, das Ding zu mechanisieren. Rieger respektive. W. Eberle hat im Konzept durchaus auch eingeräumt, was man an Nachteilen für eine E-Traktur benennen könnte (er hat ja für die CO Mechanik vorgesehen), sieht aber die Vorteile bei weitem überwiegen. Und die NAchteile sind nur im Bereich Ersatz von defekten Elementen - doch man könnte deren Wechsel ja auch gut vorbereiten, und es geht meist nur um Platinen etc. (Nach wie vor spielt hier ja meine 41 Jahre alte Heuss-Anlage...).

In der Kommissions-Vorarbeit hat gerade auch Franz Danksagmüller sehr auf Mechanik hingewirkt, was mich beeindruckte. Das war 2019/2020. Inzwischen hat er die Orgeln in Hamburg-Nikolai, Helsinki Musiikitalo und ich glaube auch Göteborg Konzerthaus kennen gelernt. Manches sieht er vielleicht jetzt anders, aber vielleicht auch nicht.

Es ist aber auch ein Unterschied, ob Neubau oder Umbau. Und in Rostock sind sehr viele konzeptionelle Nachteile zu beheben, da könnte es in der Tat richtig sein, nicht jedes Ideal zu verfolgen. Und wenn der Wegfall der mech. Traktur den Raum schafft, den man für eine bessere Aufstellung des Materials, insbesondere, wenn das ältere Pfeifenwerk mit dabei sein soll, benötigt, dann sollte eine Ablehnung dieser Lösung gut fundiert sein.

Das Preisgericht war das Preisgericht. Ich war nur als Sekretär dabei.

Wir bleiben dran, das Forum weiterhin ganz vorne dabei, na klar!

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

MAT @, Montag, 04. November 2024, 15:05 (vor 675 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Über letzteres täte ich mich besonders freuen. Eine spannende Geschichte.

--
Gruß
MAT

Nachtrag zu Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 04. November 2024, 15:22 (vor 675 Tagen) @ Contrebasson 32'

Es fehlte auf der Website ein Link zur Synoptischen Darstellung als PDF, das ist etwas übersichtlicher (oder auch nicht):

https://marienorgel-rostock.de/wp-content/uploads/2024/10/PW_Rostock_Ergebnis-Synopse.pdf

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

MartinH, Montag, 04. November 2024, 16:33 (vor 675 Tagen) @ Contrebasson 32'

Ich kann überhaupt nichts Falsches an einer mechanischen Traktur auch für eine große Orgel finden, die die "Maschinisierung" dieser Geräte etwas begrenzt, wenn die auch demensprechend sorgfältig und angepasst bedient wird. Und Kulturpessimismus bzw. -realismus ist nichts per se Schlechtes. Bei den Zukunftssorgen der allgegenwärtigen Elektronikspäße geht es weniger um Finanzielles als Reelles (wer *kann* das dann noch warten mit den "Bauteilen der Zeit"?).
Ich wundere mich eher über einen mit nichts zu begründenden Orgelbauoptismismus der Szene, umgeben von Kirchensterben und Abbruch. Da reicht alleine schon ein Blick nach Ladach.

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Contrebasson 32' @, Wien, Montag, 04. November 2024, 17:16 (vor 675 Tagen) @ MartinH

Ich kann überhaupt nichts Falsches an einer mechanischen Traktur auch für eine große Orgel finden, die die "Maschinisierung" dieser Geräte etwas begrenzt, wenn die auch demensprechend sorgfältig und angepasst bedient wird.

Was ist denn eine Orgel, wenn nicht v.a. Maschine? Viel mehr als jedes andere Instrument. Gerade das macht doch auch ab einer gewissen Größe das Faszinosum aus. Wieso sollte dies also per se etwas schlechtes sein. Mich treibt hier eher die Frage: Wie lässt sich bei ökonomischem Einsatz der Mittel das klangliche und technische Optimum realisieren, sodass die klangliche Gestalt der Orgel auch mit ihrer optischen Erscheinung sowie mit der Qualität der Architektur mithalten kann. Um dieses Ziel zu erreichen, helfen Dogmen wenig. Am Schluss ist hier zwischen verschiedenen Gütern abzuwägen. Das Ergebnis wird am Ende hoffentlich überzeugend, glücklich wer die Qual der Wahl zwischen Rieger und Klais hat.

Und Kulturpessimismus bzw. -realismus ist nichts per se Schlechtes. Bei den Zukunftssorgen der allgegenwärtigen Elektronikspäße geht es weniger um Finanzielles als Reelles (wer *kann* das dann noch warten mit den "Bauteilen der Zeit"?).
Ich wundere mich eher über einen mit nichts zu begründenden Orgelbauoptismismus der Szene, umgeben von Kirchensterben und Abbruch. Da reicht alleine schon ein Blick nach Ladach.

Ich bin überzeugt, dass es angesichts der zu erwartenden Kosten bei allem Realismus eine optimistische und begeisterungsfähige Vision braucht. Das Bedenken dieser Dimensionen ehrt KBK und die Kommission, ist aber erfahrungsgemäß beim Fundraising eher hinderlich, wo mitreißende Ideen, gewissermaßen der "große Wurf" zählt. Besonders in einer Umgebung wie Rostock.

Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 04. November 2024, 18:17 (vor 675 Tagen) @ Contrebasson 32'

Ich kann überhaupt nichts Falsches an einer mechanischen Traktur auch für eine große Orgel finden, die die "Maschinisierung" dieser Geräte etwas begrenzt, wenn die auch demensprechend sorgfältig und angepasst bedient wird.


Was ist denn eine Orgel, wenn nicht v.a. Maschine? Viel mehr als jedes andere Instrument. Gerade das macht doch auch ab einer gewissen Größe das Faszinosum aus. Wieso sollte dies also per se etwas schlechtes sein. Mich treibt hier eher die Frage: Wie lässt sich bei ökonomischem Einsatz der Mittel das klangliche und technische Optimum realisieren, sodass die klangliche Gestalt der Orgel auch mit ihrer optischen Erscheinung sowie mit der Qualität der Architektur mithalten kann. Um dieses Ziel zu erreichen, helfen Dogmen wenig. Am Schluss ist hier zwischen verschiedenen Gütern abzuwägen. Das Ergebnis wird am Ende hoffentlich überzeugend, glücklich wer die Qual der Wahl zwischen Rieger und Klais hat.

Richtig - ich hoffe, dass wir diese Wahlmöglichkeit noch bewahren können und die Unternehmen auch mit dranbleiben. Wir diskutieren hier schließlich als Halblaien (was besser ist als Vollpfosten :D) über die internationale Elite. Aber einige aus unserer Zunft (will mich gar nicht dazu zählen) haben ebenfalls die Welt gesehen und können Einiges erzählen und beisteuern.
Ein Teil des hiesigen Versagens in der Barockzeit war ja auch die schwache Bauaufsicht. 1770 zunächst überfordert, 1793 vielleicht sogar gekauft (in Stralsund hat Marx das ja höchstwahrscheinlich so gemacht), und Marx samt Sohn hatten da schon sehr abgewirtschaftet. "Sachverständige" vor allem aus der Stadt und Region, wo seit dem Stadtbrand 1677 die Hochkultur nicht mehr recht vertreten war.
Also, mit zunächst weiterhin intensivem gemeinsamem Nachdenken und dann intensiver Begleitung des Baus sollte hier etwas entstehen können, was jeder Firma zum Ruhm gereichen sollte. Und nicht wegen eines Superlativs, der hier nicht möglich wird, sondern wegen einer gelungenen Weierentwicklung der Geschichte, mit guter Mischung aus Selbstvertrauen und Demut.

Und Kulturpessimismus bzw. -realismus ist nichts per se Schlechtes. Bei den Zukunftssorgen der allgegenwärtigen Elektronikspäße geht es weniger um Finanzielles als Reelles (wer *kann* das dann noch warten mit den "Bauteilen der Zeit"?).
Ich wundere mich eher über einen mit nichts zu begründenden Orgelbauoptismismus der Szene, umgeben von Kirchensterben und Abbruch. Da reicht alleine schon ein Blick nach Ladach.

Wobei wir bei Ladach die Elektronikspäße eher nicht sehen. Zumindest noch nicht.

Ich bin überzeugt, dass es angesichts der zu erwartenden Kosten bei allem Realismus eine optimistische und begeisterungsfähige Vision braucht. Das Bedenken dieser Dimensionen ehrt KBK und die Kommission, ist aber erfahrungsgemäß beim Fundraising eher hinderlich, wo mitreißende Ideen, gewissermaßen der "große Wurf" zählt. Besonders in einer Umgebung wie Rostock.

Das ist leider richtig, ich arbeite auch schon an mir. ;-) Und beim nächsten Video werde ich dann auch mehr lächeln, es sollte da ohnehin mehr Grund zur Freude geben.

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