Orgelmotoren seit wann?
Sweelinck, Montag, 28. Oktober 2024, 10:58 (vor 683 Tagen)
Kennt sich da jemand mit der Geschichte der Orgelmotoren aus?
Ich erinnere mich da an eine Geschichte, wo Dupré noch an ND mit Blasebälgen spielte und es dann Probleme und eine Spende gab.
Wann bekamen eigentlich St-Sulpice, Ste-Clotilde und St-Ouen die ersten Motoren?
Orgelmotoren seit wann?
Rolf
, Montag, 28. Oktober 2024, 11:31 (vor 683 Tagen) @ Sweelinck
Im Buch von René Verwer über die Orgel der Abteikirche St-Ouen in Rouen steht, dass die Orgel "in den zwanziger Jahren" des vergangenen Jahrhunderts einen elektrischen Ventilator erhielt. Bis dahin wurden vier Kalkanten benötigt.
Gruß
Rolf
Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Montag, 28. Oktober 2024, 11:40 (vor 683 Tagen) @ Rolf
Im Buch von René Verwer über die Orgel der Abteikirche St-Ouen in Rouen steht, dass die Orgel "in den zwanziger Jahren" des vergangenen Jahrhunderts einen elektrischen Ventilator erhielt. Bis dahin wurden vier Kalkanten benötigt.
Das ist dann aber relativ spät. Die Stuttgarter Liederhallenorgel von Weigle hatte schon gleich 1895 einen Elektroantrieb der Balganlage durch einen Motor erhalten, der mittels Pleuelstangen die Schöpfer der Magazinbälge betätigte. Angeblich wäre das Hochdruckgebläse beispielsweise fast nicht per Muskelkraft zu betätigen gewesen.
Orgelmotoren seit wann?
Rolf
, Montag, 28. Oktober 2024, 11:46 (vor 683 Tagen) @ Sweelinck
Notre-Dame de Paris erhielt 1924 ein elektrisches Gebläse. Voher wurden vier bis sechs Kalkanten benötigt. Quelle: Günter Lade, Orgel und Organisten der Kathedrale Notre-Dame in Paris, Band 2. (Edition Lade)
Gruß
Rolf
Orgelmotoren seit wann?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Montag, 28. Oktober 2024, 12:34 (vor 683 Tagen) @ Rolf
Orgelmotoren seit wann?
VoxCoelestis, Montag, 28. Oktober 2024, 15:49 (vor 683 Tagen) @ Sweelinck
Der Motor der Sauer-Orgel in der Erlöserkirche Bad Homburg ist nach meinen Informationen immer noch der Motor aus der Entstehungszeit der Orgel, also von 1908. Es war zu dieser Zeit die erste (eine der ersten?) elektrischen Anlagen in der Kurstadt.
Das wäre m.E. auch für Paris die erste zu klärende Frage: ab wann hier ein System zur Versorgung mit Elektrizität - sozusagen außerhalb der „experimentellen“ Nutzung? Die Weltausstellung von 1900 wird hier sicherlich erheblichen Fortschritt gebracht haben.
Orgelmotoren seit wann?
Gast
, Montag, 28. Oktober 2024, 21:14 (vor 683 Tagen) @ Sweelinck
Kennt sich da jemand mit der Geschichte der Orgelmotoren aus?
Ich erinnere mich da an eine Geschichte, wo Dupré noch an ND mit Blasebälgen spielte und es dann Probleme und eine Spende gab.
Wann bekamen eigentlich St-Sulpice, Ste-Clotilde und St-Ouen die ersten Motoren?
Sehr interessantes Thema! - zu dem ich leider genau gar nichts fachlich beitragen kann :-(
Interresant faende ich dagegen folgendes: Gab es bereits vor der allgemeinen Elekrifizierung (die natuerlich einige Jahrzehnte gebraucht haben wird?), dokumentierte Versuche mit z.B. Dampfmaschienen oder Gasmotoren?
Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Montag, 28. Oktober 2024, 22:22 (vor 683 Tagen) @ Gast
bearbeitet von MCVL, Montag, 28. Oktober 2024, 22:26
Kennt sich da jemand mit der Geschichte der Orgelmotoren aus?
Ich erinnere mich da an eine Geschichte, wo Dupré noch an ND mit Blasebälgen spielte und es dann Probleme und eine Spende gab.
Wann bekamen eigentlich St-Sulpice, Ste-Clotilde und St-Ouen die ersten Motoren?
Sehr interessantes Thema! - zu dem ich leider genau gar nichts fachlich beitragen kann :-(Interresant faende ich dagegen folgendes: Gab es bereits vor der allgemeinen Elekrifizierung (die natuerlich einige Jahrzehnte gebraucht haben wird?), dokumentierte Versuche mit z.B. Dampfmaschienen oder Gasmotoren?
Es gab durchaus in der Praxis Anwendungen anderer Antriebsarten anstelle Elektromotoren.
1896 lieferte Späth eine größere mechanische Kegelladenorgel nach Lauterbach im Schwarzwald, deren Schöpfer über Pleuelstangen durch einen Wassermotor angetrieben wurden. In einem Bericht über die Orgel wurde erwähnt, daß die Druckrohrleitungen zum Motor besonders isoliert werden mussten, um bei entsprechender Witterung ein Einfrieren zu vermeiden, was anscheinend die größte Sorge war. Man sah das seinerzeit jedenfalls als eine durchaus innovative Sache an.
Für eine der großen Weigle-Orgeln, welche um 1900 erbaut wurden, war ein Gasmotor vorgesehen, der ebenfalls mittels einer Pleuelstange die Schöpfer der Magazibgebläse betätigen sollte. Dort wurde aber bei der Bestellung dann ein Elektromotor geordert. Die Mechanik wie Pleuelstangen etc. wurden von einem Maschinenbaubetrieb aus der Nähe von Stuttgart bezogen.
Ich muß nochmals nachschauen, welche Orgel das war, ich meine Reutlingen/Marienkirche oder Speyer/Gedächtniskirche.
Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Dienstag, 29. Oktober 2024, 11:03 (vor 682 Tagen) @ MCVL
Für eine der großen Weigle-Orgeln, welche um 1900 erbaut wurden, war ein Gasmotor vorgesehen, der ebenfalls mittels einer Pleuelstange die Schöpfer der Magazibgebläse betätigen sollte. Dort wurde aber bei der Bestellung dann ein Elektromotor geordert. Die Mechanik wie Pleuelstangen etc. wurden von einem Maschinenbaubetrieb aus der Nähe von Stuttgart bezogen.
Ich muß nochmals nachschauen, welche Orgel das war, ich meine Reutlingen/Marienkirche oder Speyer/Gedächtniskirche.
Es war Speyer. Zunächst war ein vierpferdiger Wassermotor vorgesehen. Die Kurbelwellen, Stecher für die Schöpferbetätigungen, Lagerstellen (mit ausgebuchsten Messinglagern) usw. wurden von der Maschinenbaufirma Kleemann & Sohn in Obertürkheim geliefert.
Noch während die Orgel in Bau war, wurde aber auf den Wassermotor verzichtet und tatsächlich ein Gasmotor geliefert.
Im Abnahmegutachten von Albrecht Hänlein/Mannheim und Heinrich Trautner/Kaiserslautern (Abnahmeprüfung 22. November 1902) ist zu lesen: Das für verschiedenen Winddruck angelegte mehrfache Magazingebläse liefert völlig ausreichenden Wind und wird angetrieben durch den in einem angeschlossenen Seitenraume befindlichen, unhörbar funktionierenden Gasmotor.
Orgelmotoren seit wann?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Dienstag, 29. Oktober 2024, 13:21 (vor 682 Tagen) @ MCVL
Das ist schon alles faszinierend. Aber die Dampfmaschine für die RAH (danke an Florian-L) ist Oberliga. Ich stelle mir vor, dass bei sehr lautem Spiel die nicht grade in Zeitlupe arbeiten kann, um die nätige Menge zu liefern.
Und bei Dampfmaschinen könnte man rückblickend wirklich konstatieren, dass es pure Technikbegeisterung war, denn was hatte man groß gewonnen? Mag der Brennstoff billig gewesen sein, die Kalkanten waren es auch. Der Wartungsaufwand ist, wie jede Lokomotive heute noch zeigt, beträchtlich und nicht geringer als bei einer Handschöpfanlage - schließlich dürften auch hier die Kolbendichtungen ähnlich hohen Verschleiß haben wie die Lederteile einer Balganlage (und die Magazine gab es ja trotzdem noch). Es musste aufwendig vorgeheizt werden und sicherlich war ein Maschinist permanent anwesend - also schnell mal üben gehen war genauso unmöglich wie bei Kalkantenbetrieb.
Daher meine Unterstellung: Man machte es (vor allem), weil man es konnte.
Bei den Gas- und Wassermotoren war es vermutlich einfacher. Und mit etwas Vertrauen in die Aggregate konnte der Organist diese vermutlich selbst starten und dann spielen, so dass es entfernt ähnlich war zum heutigen Luxus.
A propos starten - als unser Pollrich und das 1938 dazugekommene Sauer-Aria-Gebläse noch unter Gleichstrom liefen, war das Starten wohl eine gewisse Kunst, wie mir ein Zeitzeuge verriet.
Auf diesem Bild (zeigt Hilde Rienau, Hobby-Organistin, anno 1952 am Spieltisch) sind die Schalter noch zu erkennen.
![[image]](images/uploaded/202410291220406720d318a482e.jpg)
Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Dienstag, 29. Oktober 2024, 21:08 (vor 682 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von MCVL, Dienstag, 29. Oktober 2024, 21:13
Vermutlich war an der Royal Albert Hall genügend Personal beschäftigt, welches sich um den Betrieb und die Wartung der Dampfmaschinen kümmerte.
Der Betrieb der Wassermotoren scheint einfach gewesen zu sein, zumindest im von mir erwähnten Fall Lauterbach, wo der Motor vom Organisten durch Öffnen bzw. Schließen der Wasserzufuhr bedient wurde.
Über den Betrieb mit Gasmotoren liegen mir keine weiteren Hinweise vor. Ob die aber tatsächlich so geräuscharm arbeiteten, wie im Fall Speyer beschrieben?
Orgelmotoren seit wann?
Wolfgang Gourgé
, Dienstag, 29. Oktober 2024, 22:28 (vor 682 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Dienstag, 29. Oktober 2024, 22:33
Vermutlich war an der Royal Albert Hall genügend Personal beschäftigt, welches sich um den Betrieb und die Wartung der Dampfmaschinen kümmerte.
Der Betrieb der Wassermotoren scheint einfach gewesen zu sein, zumindest im von mir erwähnten Fall Lauterbach, wo der Motor vom Organisten durch Öffnen bzw. Schließen der Wasserzufuhr bedient wurde.
Über den Betrieb mit Gasmotoren liegen mir keine weiteren Hinweise vor. Ob die aber tatsächlich so geräuscharm arbeiteten, wie im Fall Speyer beschrieben?
....man kann sich solche Motoren auf youtube ansehen, s. etwa hier: https://youtu.be/cjRNMvkhWTo?si=pV5_cToMKdpwErHx. Es sind natürlich Verbrennungsmotoren, und die arbeiten nunmal mit Geräuschen, allerdings ähnelten sie damals noch stark Dampfmaschinen und liefen mit viel niedrigeren Drehzahlen als heute.
Die Geräuschbildung hat immerhin den Vorteil, dass man damit gleichzeitig immer ein Metronom hat.....
Orgelmotoren seit wann?
Florian-L
, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 08:06 (vor 681 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Die Geräuschbildung hat immerhin den Vorteil, dass man damit gleichzeitig immer ein Metronom hat.....
Shuffle! :-D
Orgelmotoren seit wann?
kjz1, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 08:25 (vor 681 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Bei all diesen stationären Großmotoren habe ich aber bisher nur gesehen, dass man immer mindestens 2 Personen benötigt, um diese anzuwerfen. Und meist dann eine, die durchgehend den Betrieb überwacht.
Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 09:53 (vor 681 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Vermutlich war an der Royal Albert Hall genügend Personal beschäftigt, welches sich um den Betrieb und die Wartung der Dampfmaschinen kümmerte.
Der Betrieb der Wassermotoren scheint einfach gewesen zu sein, zumindest im von mir erwähnten Fall Lauterbach, wo der Motor vom Organisten durch Öffnen bzw. Schließen der Wasserzufuhr bedient wurde.
Über den Betrieb mit Gasmotoren liegen mir keine weiteren Hinweise vor. Ob die aber tatsächlich so geräuscharm arbeiteten, wie im Fall Speyer beschrieben?
....man kann sich solche Motoren auf youtube ansehen, s. etwa hier: https://youtu.be/cjRNMvkhWTo?si=pV5_cToMKdpwErHx. Es sind natürlich Verbrennungsmotoren, und die arbeiten nunmal mit Geräuschen, allerdings ähnelten sie damals noch stark Dampfmaschinen und liefen mit viel niedrigeren Drehzahlen als heute.Die Geräuschbildung hat immerhin den Vorteil, dass man damit gleichzeitig immer ein Metronom hat.....
Jedenfalls leiser, wie ich es mir vorgestellt habe. Wenn der Motor dann in einem weitgehend abgeschotteten Nebenraum stand, halte ich das für durchaus akzeptabel. Danke für den Link.
Orgelmotoren seit wann?
Wolfgang Gourgé
, Dienstag, 29. Oktober 2024, 22:15 (vor 682 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
....im Verdener (Aller) Dom ist noch heute das originale Gleichstromgebläse von 1916 der Furtwängler& Hammer-Orgel in Betrieb. Auch dieses muss über einen mehrstufigen Schalter sanft gestartet werden, sonst würden die Sicherungen herausfliegen; es handelt sich meines Wissens um einen Reihenschlussmotor, und die ziehen beim Anfahren aus dem Stand extreme Stromstärken aus der Leitung (so wie auch das Drehmoment immer weiter zunimmt, je stärker der Motor belastet wird, was ohne Schutzvorrichtung zum Durchbrennen führen kann). Leider habe ich das Foto gerade nicht zur Hand.
Orgelmotoren seit wann?
Florian-L
, Dienstag, 29. Oktober 2024, 08:00 (vor 682 Tagen) @ Gast
bearbeitet von Florian-L, Dienstag, 29. Oktober 2024, 08:05
Interresant faende ich dagegen folgendes: Gab es bereits vor der allgemeinen Elekrifizierung (die natuerlich einige Jahrzehnte gebraucht haben wird?), dokumentierte Versuche mit z.B. Dampfmaschienen oder Gasmotoren?
Zwei Dampfmaschinen gab es z. B. in der Royal Albert Hall:
https://www.royalalberthall.com/about-the-hall/building-and-history/our-history/new-his...
https://www.modelengineeringwebsite.com/Albert_Hall_engine.html
Gruß, Florian
Orgelmotoren seit wann?
elias.orgel, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 11:02 (vor 681 Tagen) @ Sweelinck
bearbeitet von elias.orgel, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 11:14
Ich habe vor einigen Jahren mal Gerhard Walter-Mayer nach elektrischen GebläseMotoren gefragt
in der Bestellung für die Martener Walcker-Orgel ist bereits so eine hochmoderne Vorrichtung (1908 immerhin 7,5% der Gesamtsumme!) enthalten - zur Sicherheit aber auch Schöpfer zum Treten...
wenn ich mich richtig erinnere, dann hatte auch die Walcker Orgel in Soest (St Pauli 1895) bereits beim Einbau eins...
das "Problem" zur damaligen Zeit waren definitiv die noch nicht vorhandenen Stromanschlüsse
im Ruhrgebiet ging das relativ schnell, weshalb in Dortmund uU recht viele Orgeln schon kurz nach 1900 mit El Gebläse geliefert wurden
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
Orgelmotoren seit wann?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 11:49 (vor 681 Tagen) @ elias.orgel
das "Problem" zur damaligen Zeit waren definitiv die noch nicht vorhandenen Stromanschlüsse
im Ruhrgebiet ging das relativ schnell, weshalb in Dortmund uU recht viele Orgeln schon kurz nach 1900 mit El Gebläse geliefert wurden
Wir bekamen auch schon 1908 unsere erste Läutemaschine, natürlich eine "Herforder"!
Kleiner Nachteil: Man musste noch selbst bedienen, wann sie die Glocken anzog - zumindest hatte man Einfluss darauf. Die Kraft eines Motors wurde auf mehrere Glocken verteilt. Unsere kostbare Glocke von 1419 (4.700 kg) bekam im ersten Einsatzjahr einen Sprung, wohl unter Einfluss des motorisierten Läutens. Den konnten wir erst 2009 dauerhaft reparieren.
Orgelmotoren seit wann?
Violonbass
, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 17:48 (vor 681 Tagen) @ elias.orgel
Noch ein frühes Beispiel für Elektromotor: Marienkirche Berlin, Beschreibung in "Elektrotechnische Rundschau 1894/95"
Der erwähnte Umbau erfolgte 1893/94 (siehe OrganIndex).
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
friedemannw
, Gießen, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 12:14 (vor 681 Tagen) @ Sweelinck
Vielleicht können wir das etwas präzisieren: Wer hat das Schleudergebläse erfunden bzw. im Orgelbau eingeführt?
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
ErikvdNeers, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 13:06 (vor 681 Tagen) @ friedemannw
Hallo aus Holland,
das Orgel von die Liebfrauenkirche in Bochum (Eggert/Feith) hatte von die Beginn an eine elektrische Gebläse. Das war in 1904 und die Strom kam von die "Straßenbahn". So steht es geschrieben in die Alte Datenbank "Historische Orgeln im Ruhrgebiet" von Uni Bochum.
Hartelijk
Erik
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 13:39 (vor 681 Tagen) @ friedemannw
Vielleicht können wir das etwas präzisieren: Wer hat das Schleudergebläse erfunden bzw. im Orgelbau eingeführt?
Diese Gebläse wurden nicht explizit für den Orgelbau erfunden. Die kamen aus dem metallverarbeitenden Gewerbe, wo sie beispielsweise an Essen in Schmiedewerkstätten eingesetzt wurden.
Irgendwann nach 1900 kam dann jemand auf die Idee, sie im Orgelbau einzuführen bzw. noch weiter für diesen Aufgabenbereich zu modifizieren.
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
tiratutti
, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 16:02 (vor 681 Tagen) @ MCVL
Noch einige Elektromotoren:
Schönau im Schwarzwald Mariä Himmelfahrt hatte von Anfang an einen Elektromotor: 1908
Bonndorf im Schwarzwald St. Peter identisch: 1908
Kollnau St. Josef ist der Motor Erstausstattung von 1910.
Zur Auswahl standen ein Meidinger Nr. 4 und ein Gleichstromnebenschlussmotor der Allgemeinen Electricitäts-Gesellschaft Berlin (AEG).
Grüße von tiratutti
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 16:49 (vor 681 Tagen) @ tiratutti
Danke für die Hinweise. Jedenfalls scheint es so, daß die Firmen Meidinger und Pollrich mit die ersten waren, welche diese Gebläse auch für Orgeln angeboten haben.
Auch die Gebrüder Link haben relativ früh unter eigenem Label Schleudergebläse geliefert, wobei mir nicht bekannt ist, wo diese bezogen wurden. Da gibt es sogar ein spezielles Werbeblatt der Firma Link aus den Jahren um 1910.
Schleudergebläse von Link
MCVL
, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 10:19 (vor 680 Tagen) @ MCVL
Auch die Gebrüder Link haben relativ früh unter eigenem Label Schleudergebläse geliefert, wobei mir nicht bekannt ist, wo diese bezogen wurden. Da gibt es sogar ein spezielles Werbeblatt der Firma Link aus den Jahren um 1910.
Das Werbeblatt muss um 1913 erschienen sein. Angeblich wurden die Gebläse von Link selbst hergestellt, was ich mir aber nicht wirklich vorstellen kann. Vielleicht wurden auch die einzelnen Teile bei Metallbaubetrieben bezogen und dann selbst zusammengesetzt.
Aber seht selbst:
Schleudergebläse von Link
MartinH, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 11:05 (vor 680 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MartinH, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 11:53
Sehr schön! Nur - war das (edit: oh, der) Deppenapostroph damals etwa korrekt?
Schleudergebläse von Link
Evacuant, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 11:34 (vor 680 Tagen) @ MartinH
Sehr schön! Nur - war das Deppenapostroph damals etwa korrekt?
Bis 1901 war der Apostroph korrekt, vielfach hielt man auch danach noch an der alten Schreibweise fest.
Im Fall des Firmennamens Link finde ich ihn durchaus sinnvoll und nicht deppert.
Wenn man "Link's Elektro-Ventilator" als Markennamen auffasst, wäre der Apostroph auch nach heutiger Rechtschreibung korrekt.
Schleudergebläse von Link
3rd_astronaut, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 17:51 (vor 680 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von 3rd_astronaut, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 17:54
ha, jetzt erkenne ich, warum und woher Du soviel weißt: einfach am telefon die "2" wählen, und schon hat man die Link-brüder am rohr ;-) . oder liest du auf https://t.me/Link_Giengenbrenz mit?
Schleudergebläse von Link
MCVL
, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 19:31 (vor 680 Tagen) @ 3rd_astronaut
ha, jetzt erkenne ich, warum und woher Du soviel weißt: einfach am telefon die "2" wählen, und schon hat man die Link-brüder am rohr ;-) .
: -D
oder liest du auf https://t.me/Link_Giengenbrenz mit?
Nein, der Link lässt sich bei mir nicht öffnen ; -)
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 17:57 (vor 680 Tagen) @ MCVL
Vielleicht können wir das etwas präzisieren: Wer hat das Schleudergebläse erfunden bzw. im Orgelbau eingeführt?
Diese Gebläse wurden nicht explizit für den Orgelbau erfunden. Die kamen aus dem metallverarbeitenden Gewerbe, wo sie beispielsweise an Essen in Schmiedewerkstätten eingesetzt wurden.
Irgendwann nach 1900 kam dann jemand auf die Idee, sie im Orgelbau einzuführen bzw. noch weiter für diesen Aufgabenbereich zu modifizieren.
Richtig, der Leipziger Teil von Pollrich (es gibt ja heute noch das große Unternehmen in Mönchengladbach) firmierte auch unter "Entstaubungsanlagen".
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
Florian-L
, Freitag, 01. November 2024, 13:16 (vor 679 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Richtig, der Leipziger Teil von Pollrich (es gibt ja heute noch das große Unternehmen in Mönchengladbach) firmierte auch unter "Entstaubungsanlagen".
Die ersten mobilen Staubsauger hießen folgerichtig Entstäubungspumpen.
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
friedemannw
, Gießen, Freitag, 01. November 2024, 09:13 (vor 679 Tagen) @ MCVL
Diese Gebläse wurden nicht explizit für den Orgelbau erfunden.
Deswegen schrieb ich: "[...] bzw. im Orgelbau eingeführt?" ;)
Die kamen aus dem metallverarbeitenden Gewerbe, wo sie beispielsweise an Essen in Schmiedewerkstätten eingesetzt wurden.
Irgendwann nach 1900 kam dann jemand auf die Idee, sie im Orgelbau einzuführen bzw. noch weiter für diesen Aufgabenbereich zu modifizieren.
Um 1900 hätte ich auch geschätzt...
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
Wolfgang Gourgé
, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 01:59 (vor 681 Tagen) @ friedemannw
Vielleicht können wir das etwas präzisieren: Wer hat das Schleudergebläse erfunden bzw. im Orgelbau eingeführt?
....Schleudergebläse sind genaugenommen Kreiselpumpen. Dazu die Wikipedia:
"Eine Wasserfördermaschine, die laut dem italienischen Wissenschaftshistoriker Ladislao Reti „als Prototyp der Kreiselpumpe bezeichnet werden muss“, ist im Trattato di Architectura des italienischen Künstler-Ingenieurs Francesco di Giorgio Martini (um 1475) enthalten.[3] Im Jahr 1689 erfand der Physiker Denis Papin die Kreiselpumpe. Heute ist dies die weltweit meistverwendete Pumpenbauart. Die Armaturen- und Maschinenfabrik AG (AMAG) in Nürnberg baute die erste selbstansaugende Kreiselpumpe im Jahr 1916."
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Mittwoch, 27. November 2024, 20:38 (vor 653 Tagen) @ friedemannw
Vielleicht können wir das etwas präzisieren: Wer hat das Schleudergebläse erfunden bzw. im Orgelbau eingeführt?
An den nachfolgenden Artikel habe ich mich gar nicht mehr erinnert, er fiel mir gerade wieder einmal auf der Suche nach etwas anderem in die Hände. Damit dürfte die Angelegenheit ziemlich klar sein:
(Quelle: Zeitschrift für Orgel- und Harmoniumbau [Graz], Jg. 1/1903 Nr. 6/1. November)
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
friedemannw
, Gießen, Mittwoch, 27. November 2024, 20:46 (vor 653 Tagen) @ MCVL
Also Mauracher 1899, wenn ich's richtig verstanden habe..
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Donnerstag, 28. November 2024, 08:17 (vor 652 Tagen) @ friedemannw
Also Mauracher 1899, wenn ich's richtig verstanden habe..
Das ist irgendwie etwas unscharf formuliert. Man könnte es auch so verstehen: Breinbauer lieferte 1900 das Gebläse für Amstetten, Mauracher 1902 (bezogen auf das Erscheinungsjahr der Zeitschrift 1903) dasjenige für Wels.
Später versuche ich mal den Beitrag mit den Angaben über Sauer etc. zu finden, auf welchen sich dieser Artikel bezieht. Sämtliche Jahrgänge dieser nicht uninteressanten (und zumindest in Deutschland kaum bekannten) Zeitschrift habe ich einmal komplett kopiert, daher müsste es zu finden sein.
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Donnerstag, 28. November 2024, 11:49 (vor 652 Tagen) @ MCVL
Also Mauracher 1899, wenn ich's richtig verstanden habe..
Das ist irgendwie etwas unscharf formuliert. Man könnte es auch so verstehen: Breinbauer lieferte 1900 das Gebläse für Amstetten, Mauracher 1902 (bezogen auf das Erscheinungsjahr der Zeitschrift 1903) dasjenige für Wels.
Später versuche ich mal den Beitrag mit den Angaben über Sauer etc. zu finden, auf welchen sich dieser Artikel bezieht. Sämtliche Jahrgänge dieser nicht uninteressanten (und zumindest in Deutschland kaum bekannten) Zeitschrift habe ich einmal komplett kopiert, daher müsste es zu finden sein.
Wieder mal spannend!
Schleudergebläse, war: Orgelmotoren seit wann?
MCVL
, Donnerstag, 28. November 2024, 18:57 (vor 652 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Also Mauracher 1899, wenn ich's richtig verstanden habe..
Das ist irgendwie etwas unscharf formuliert. Man könnte es auch so verstehen: Breinbauer lieferte 1900 das Gebläse für Amstetten, Mauracher 1902 (bezogen auf das Erscheinungsjahr der Zeitschrift 1903) dasjenige für Wels.
Später versuche ich mal den Beitrag mit den Angaben über Sauer etc. zu finden, auf welchen sich dieser Artikel bezieht. Sämtliche Jahrgänge dieser nicht uninteressanten (und zumindest in Deutschland kaum bekannten) Zeitschrift habe ich einmal komplett kopiert, daher müsste es zu finden sein.
Wieder mal spannend!
Danke.
Ich bin nicht so wirklich fündig geworden, in der gleichen Nummer der Zeitung ist aber der zweite von drei Teilen eines Berichts abgedruckt, der den Titel "Disposition und Ausführung der St. Ulrichs-Orgel in Augsburg - Erbaut von H. Koulen in Oppenau" trägt und der einen weiteren Hinweis auf eine frühe Verwendung eines "Ventilatorgebläses" enthält:
qualmendes Gebläse, war:Orgelmotoren seit wann?
MartinH, Mittwoch, 30. Oktober 2024, 17:37 (vor 681 Tagen) @ Sweelinck
Zu Gebläsen kann ich nur eine schlimme Geschichte beisteuern, die jedoch letztendlich nochmal glimpflich ausgegangen ist. Auch als Warnung - von einem Elektriker muss man da unbedingte Korrektheit erwarten, ein Orgelbauer darf da m.W. ja gar nicht dran.
Bei den Aufnahmen zu dieser CD stellten wir erst die Glocken ab am Sicherungskasten, soweit alles ok, dann aber auch zur Mittagspause aus Bequemlichkeit auch das noch laufende Orgelgebläse. "Ganz normal" an typischen Drehstromsicherungsautomaten mit drei auch mechanisch verbundenen Sicherungen (Beschriftung "Orgel"). Orgellicht und Motor gingen aus. Nach so 20-30 Minuten, als wir zurückkamen, war die Kirche schon merklich heißer und es qualmte. 10 Minuten später, und die Orgel mitsamt Kirche hätte m.E. abbrennen können. Kaum zu glauben, aber nach stundenlanger Abkühlung lief das Gebläse noch/wieder.
Ich kann es mir nur so erklären, dass eben die Elektrik falsch verschaltet war, und die Sicherungen eben nicht alle drei Phasen unterbrochen haben und das Gebläse sozusagen blockierte. Wurde natürlich gemeldet und dann sicher überprüft/behoben - ich hatte es dann von Ferne nicht mehr weiter verfolgt. Ansonsten hätte die Berufshaftpflicht des Elektrikers einiges zu tun und zahlen gehabt.
Wie gesagt, das ist jedenfalls meine Erklärung.
PS Wieso allerdings sich offensichtlich keine Thermosicherung im Motorkasten befand (ein paar Cent, muss nichtmal PTC sein, ist das nicht vorgeschrieben?), ist mir unerklärlich.
qualmendes Gebläse, war:Orgelmotoren seit wann?
Lowdee, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 09:24 (vor 680 Tagen) @ MartinH
Sowas macht man bei dreiphasigen Motoren üblicherweise mit einem thermomagnetischen Motorschutzschalter, der neben Kurzschluss- und Überstrom auch einen Phasenausfall erkennt und abschaltet. Sowas ist seit über 50 Jahren Standard und sollte bei älteren Anlagen nachgerüstet werden. Ein dreipoliger LS-Schalter oder gar Schmelzsicherungen bieten das nicht, und dann kann sowas passieren. Wenn der Motor schon gequalmt hat, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit Windungsschlüssen als Folgeschaden rechnen. Auch wenn der Motor danach noch läuft, hat er wahrscheinlich eine niedrigere Wicklungsimpesanz als vorher und in der Folge eine höhere Stromaufnahme und damit Erwärmung.
qualmendes Gebläse, war:Orgelmotoren seit wann?
MartinH, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 11:03 (vor 680 Tagen) @ Lowdee
bearbeitet von MartinH, Donnerstag, 31. Oktober 2024, 11:45
Wäre interessant, zu wissen, wie das ausgegangen ist. Aber eine Elektroinstallation dermaßen fehlerhaft auszuführen, ist schon der Hammer. Hier waren die Sicherungsautomaten ja quasi ursächlich dafür (meiner Ansicht nach, anders kann ich mir das nicht erklären - das Problem hätte so dann ja auch bestanden, wenn die mal automatisch ausgelöst hätten). Ist vielleicht nicht die feine Art, die als Ausschalter zu missbrauchen, trotzdem. Ob der Motor wirklich gecheckt wurde, Leistungsaufnahme etc.? Das war wirklich Wahnsinn, wie heiß die gesamte Kirche schon war. Wenigstens stank es nicht/wenig. Externe Motorschutzschalter hin oder her, hätte das Gebläse eine einfache Thermosicherung gehabt, wäre es nicht soweit gekommen. Installiert wurde das ganze übrigens 1972 (Edit: Der Sicherungskasten etc. aber wohl später). https://organindex.de/index.php?title=Gerstetten/Sontbergen,_Jakobuskirche
Orgelmotoren seit wann?
Stimmeisen, Sonntag, 03. November 2024, 20:01 (vor 677 Tagen) @ Sweelinck
Im offiziellen Werkverzeichnis der Regensburger/Münchner Firma Binder & Siemann haben bis 1910 die folgenden Orgeln den Zusatz "mit elektrischem Antrieb". Ab 1910 findet sich der Zusatz dann deutlich häufiger.
Regensburg, Niedermünsterkirche, 1895, II/28
Regensburg, Obermünster, 1896, I/6
Regensburg, Alte Kapelle, 1899, II/36
Regensburg, Präparandenschule, 1899, II/6
Nittenau, 1905, II/16
Regensburg, Dom, 1905, II/25
Königshütte, (Oberschlesien) St. Josef, 1907, III/45
Königshütte, St. Hedwig, 1909, III/46
München, Krankenhaus Schwabing, 1910, II/12
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