OT: Franz Hummel

MartinH, Freitag, 25. Oktober 2024, 19:17 (vor 686 Tagen)

Ja, nicht ganz On-Topic, aber auf der Wikidisk-Seite hat niemand reagiert bislang.
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Hummel

Mehr als 60 LPs hat dieser interessante Komponist als Pianist eingespielt, bis er dieses Leben "aufgab" - da muss es irgendwo doch Klangbeispiele oder zu digitalisierende LPs geben. Kann jemand helfen?

PS Und da komme ich einfach nicht umhin, auf ein interessantes Klavierwerk in einer tollen Einspielung eines 18-Jährigen hinzuweisen!

OT: Franz Hummel

c_preiss @, Tegernheim, Freitag, 25. Oktober 2024, 23:33 (vor 686 Tagen) @ MartinH

Um es mal vom off-Topic zur Orgel zurückzubringen:
Ich kannte Franz Hummel ja persönlich seit 2011 und hatte zunächst als Schüler und später immer mehr als Freund ein ziemlich enges Verhältnis zu ihm. Er machte besonders am Anfang nie einen Hehl daraus, dass er die Orgel grundlegend ablehnt und ich doch mit dem Orgelspiel aufhören solle, was ich nie gemacht habe. Allerdings muss man dazu sagen, dass er in jungen Jahren schlechte Erfahrungen mit Kirche gemacht hat - zwar nicht mit Missbrauch oder Ähnlichem, allerdings war ihm die strenge Hierarchie der damaligen Kirche ein Dorn im Auge. Ich weiß selber nicht, ob er eigentlich auf dem Papier noch Kirchenmitglied oder irgendwann ausgetreten war. Über solche Themen hat er selbst mit engen Freunden selten bis nie gesprochen. Dennoch suchte er durchaus den Dialog - und so kam es, dass immer wieder der örtliche Pfarrer auf seiner Couch zu Gast war...

In der Monographie über ihn, die in der Reihe über Komponisten in Bayern als Band 57 erschienen ist, ist von der Einspielung eines Orgelwerks mit ihm selbst als Interpreten die Rede.
https://www.dtkvbayern.de/komponistinnen-und-komponisten-in-bayern/

Allein das sagt schon Einiges über die Ambivalenz seines Verhältnisses zur Orgel aus.
Nicht zuletzt spielt die Orgel in seinen Skizzen zu einer Oper über Bruckner, die seine Witwe Susan Oswell vollendet hat und die im Juni 2024 im Alten Dom Linz uraufgeführt wurde, eine wichtige Rolle.

Wenn ich rückblickend darüber nachdenke, erklärt sich mir durchaus, warum Hummel so mit der Orgel gehadert hat: Er wurde in einer Zeit groß, in der die Orgelbewegung Ideale verfolgte, die stilistisch teilweise gegensätzliche ästhetische Ideale verfolgten, wie sie in der Tradition des klassisch-romantischen Klavierrepertoires unumstößlich waren. Wie viel Feindifferenzierung insbesondere im Hinblick auf Anschlag insbesondere auf historischen Orgeln möglich war, konnte er gar nicht abschätzen...
Ich kann mir aber vorstellen, dass er von einer Orgel wie in Bad Wimpfen, Maihingen, Hoffenheim oder großen romantischen Instrumenten von Sauer, Steinmeyer, etc. regelrecht begeistert gewesen wäre. Nur war er damals schon relativ alt und ich zu jung, um ihm da an ein besondere Instrumente zu zeigen...

PS: Bezüglich Schallplatten habe ich leider auch nichts.

Franz Hummel (nicht so ganz OT)

perotin, Samstag, 26. Oktober 2024, 01:29 (vor 686 Tagen) @ c_preiss
bearbeitet von perotin, Samstag, 26. Oktober 2024, 01:59

In der Monographie über ihn, die in der Reihe über Komponisten in Bayern als Band 57 erschienen ist, ist von der Einspielung eines Orgelwerks mit ihm selbst als Interpreten die Rede.
https://www.dtkvbayern.de/komponistinnen-und-komponisten-in-bayern/

Vermutlich ist das Stück "Tantalus lächelt" gemeint und diese CD.

Die CD fiel mir um 1990 herum in die Hände, zuvor hatte ich noch nie von Franz Hummel gehört (ich war ja auch ein unwissender junger Student). Der fantasievolle Titel der Komposition ist mir aber im Gedächtnis geblieben...

Franz Hummel (nicht so ganz OT)

MartinH, Samstag, 26. Oktober 2024, 03:19 (vor 686 Tagen) @ perotin

Ah, jetzt taucht ja doch was auf - und sogar On-Topic, das ist dann das hier:
https://youtube.com/watch?v=CbyxLFq17nw&list=OLAK5uy_lEKqEjHoQigLY_EBf5xvop72DtdxeK...

Danke auch an Christoph für die Einblicke aus erster Hand. Im Januar soll die Gedenkwebsite von Fabian Helmich und seiner Witwe Susan Oswell online gehen und es sind wohl auch Veranstaltungen und eine Ausstellung geplant.

OT: Franz Hummel

jrbecker @, Samstag, 26. Oktober 2024, 08:28 (vor 686 Tagen) @ c_preiss

Danke für diese wertvollen und interessanten Einblicke!

Weiß man, an welcher Orgel das Stück aufgenommen wurde?

Grüße

OT: Franz Hummel

c_preiss @, Tegernheim, Samstag, 26. Oktober 2024, 10:04 (vor 685 Tagen) @ jrbecker
bearbeitet von c_preiss, Samstag, 26. Oktober 2024, 10:08

Ich habe gerade in der Diskographie in der Monographie nachgesehen: Da finden sich leider keine weiteren Hinweise. Vielleicht weiß seine Witwe Susan Oswell mehr. Ich frage sie gerne mal, wenn ich sie wieder sehe. Im Moment ist sie nur ziemlich beschäftigt mit einer Auftragskomposition.

OT: Franz Hummel

MartinH, Samstag, 26. Oktober 2024, 10:13 (vor 685 Tagen) @ c_preiss

Hier steht irgendwas auf der CD, kann es gerade nicht richtig lesen.
https://www.discogs.com/release/9968116-Franz-Hummel-Archipelagos/image/SW1hZ2U6Mjc1MTk...

PS Spätestens, wenn die Gedenkwebsite online geht, kann man den WP-Artikel sicher noch erweitern/korrigieren. Immerhin hatte jemand kürzlich auch die UA in Linz ergänzt.

OT: Franz Hummel

c_preiss @, Tegernheim, Samstag, 26. Oktober 2024, 10:27 (vor 685 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von c_preiss, Samstag, 26. Oktober 2024, 10:38

Hm, da steht auch nichts von einem Ort oder einer konkreten Orgel. Man muss natürlich dazusagen, dass Franz sich selbst nicht als Organist sah, es meines Wissens auch nach seine einzige Aufnahme an einer Orgel war und er Konventionen der Orgelwelt, wie z. B. die Angabe von Orgelbauer, Baujahr und dem Ort, an dem das Instrument steht, gar nicht kennen konnte.

OT: Franz Hummel

MartinH, Samstag, 26. Oktober 2024, 23:44 (vor 685 Tagen) @ c_preiss
bearbeitet von MartinH, Sonntag, 27. Oktober 2024, 10:47

Ja, das konnte ich auf dem kleinen Handybildschirm nicht sehen. Habe mal das Label angeschrieben, vielleicht wissen die ja wirklich noch mehr. Schöne Aufnahme, sehr abgefahrenes Stück - ich bezweifle fast, dass das wirklich gesetzt wurde. Vielleicht nur im handschriftl. Manuskript verlegt? Die verschiedenen Arten eines Tonbeginns hatten es ihm wohl angetan, zumindest wenn es etwas gemächlicher wird. Man hat den Eindruck, er will die Pfeifen gar nicht richtig klingen lassen - hat alles so eine "Streicheridiomatik". Es wird wohl um ihn gehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Tantalos
Danke nochmal für den Hinweis auf dieses eine Orgelwerk. Das dürfte kaum einer gewusst haben. Habe es im WP-Artikel ergänzt.

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